Sonntag, 7. Februar 2010

Was ist real?

Liebe Freunde,

ich weiß nicht ob ihr euch noch erinnern könnt, aber Kopenhagen hat ja nicht wirklich so funktioniert, wie man sich das gewünscht hätte. Nicht so, wie sich das fortschrittliche und vor allem stark betroffene Länder/Regierungen gewünscht hätten und vor allem nicht so, wie sich das die sogenannte „Zivilgesellschaft“ gewünscht hätte. Alles was am Ende bei dem als „letzte Chance“ deklarierten Gipfel rum kam, war der Kopenhagen Akkord. Was steht da eigentlich drin? Nicht viel Konkretes, außer einigen wenigen Zahlen:
Man konnte sich auf das 2 Grad Ziel einigen, das festlegt, dass die globale Erwärmung auf 2 Grad beschränkt wird.
In den Jahren 2010 bis 2012 soll 30 Milliarden Dollar Hilfsfinanzierung, für die, am meisten betroffenen Länder, bereitgestellt werden und bis 2020 sollen weitere 100 Milliarden für Klimaschutz und Anpassung fließen.
Außerdem gab es da noch eine Deadline. Ein Datum, an dem alle Staaten, die den Akkord unterzeichnet haben, ihre Emissionsreduktionsziele einreichen sollten.
Nur 55 Länder haben dem folge geleistet. Die eingereichten Ziele der EU (-20/-30%/Basis 1990) oder der USA (-17%/Basis 2005) und anderer Industrienationen sind unzureichend. Einige Industrieländer (Schweiz) und wichtige Schwellenländer (Mexiko, Malaysia) haben keine Reduktionsziele eingereicht. Von Bewegung in den Verhandlungen oder ambitionierten Zielen, kann also keineswegs die Rede sein. Die Zahlen sind die Gleichen geblieben, wie schon vor Kopenhagen. Deshalb mussten sich 30.000 Menschen ins Bella Center quetschen, einen Haufen Dreck produzieren und besorgte Bürger, die diesen Prozess angeprangert haben, „präventiv“, also ohne Grund, verhaftet werden?? Trotz allem realpolitischen Einfühlungsvermögen, das mich hin und wieder dazu bringt, einen Ansatz von Verständnis für die Schwierigkeit, eines globalen Verhandlungsprozesses aufzubringen, versetzt mich der Fortgang der Verhandlungen in Angst und Schrecken. Und um den Erklärungsversuch, des Realismus einmal kritisch zu beleuchten: was ist realistisch daran, bewusst auf Kosten unserer Generation und der unserer Kinder und Enkel zu handeln, damit es 5% der Weltbevölkerung besser geht?? Realistisch wäre, sich gemeinsam mit den globalen Problemen, die auf uns zukommen, bzw. längst etabliert sind, zu konfrontieren und eine gemeinsame Lösung, auf Basis unserer Erkenntnisse zu finden. Dies passiert nicht! Die einzige Erkenntnis, die im Kopenhagen Akkord eine Rolle gespielt hat, war das erwähnte 2 Grad Ziel. Aber wie soll dieses Ziel erreicht werden, wenn die Minderungsziele nach wie vor gleich niedrig ausfallen? In dem Post „Interaktive Klimaanzeigetafel“ habe ich ein tool vorgestellt, das auf Basis, der angekündigten Maßnahmen den Temperaturanstieg prognostiziert. Zum Vergleich, gibt es beim Climate Action Tracker weitere Informationen. Beide Analysen gehen in die gleiche Richtung: mehr als 3,5 Grad Erwärmung. Das nenne ich konsequent. Die Prognose ist noch schlechter, als sie es vor Kopenhagen war. Wann werden wir endlich verstehen, dass es nicht „real“(-politisch) ist weiterhin diplomatisch vor sich hin zu verhandeln?
Die Realität ist da draußen und theoretisch haben wir das auch alle verstanden.

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