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Montag, 25. Januar 2010

300 Tonnen Kunstschnee gegen den Klimawandel

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Liebe Freunde,

letztes Wochenende fand die Schneemann-Demo, am Schlossplatz, in Berlin statt. Die „Demo“ war bereits zweimal Thema auf Klimaxikon und ich möchte jetzt noch einmal darauf eingehen, um noch einige, interessante Details über die Demo, zu erwähnen.
Die sogenannte „Demo“ war nicht als Demonstration angemeldet. Heidi Klein von Lobby Control sagt: „Der Demobegriff wird missbraucht, wenn Menschen denken, sie gehen auf eine Protestveranstaltung und bekommen dafür ein Werbe-Event“. Auf Demonstrationen ist es tatsächlich selten, dass man von Hostessen empfangen wird, die grinsen (ein bisschen wie Westerwelle) und Broschüren verteilen. Aber nicht nur das, die Werbekampagne ist, wie das eine gute Werbekampagne mit viel Geld im Hintergrund immer ist, durchorganisiert bis ins letzte. Weil es „um die Sache geht“, hätte die Aktion auch bei 10 Grad plus stattgefunden, äußerte sich eine Vertreterin der Werbeagentur, die das Event organisiert hat. Wie das möglich ist? Man ließ am vergangenen Wochenende 300 Tonnen Kunstschnee auf dem Schlossplatz produzieren.
Kunstschnee gegen den Klimawandel! Da hat jemand verstanden was jetzt, in Zeiten des Klimawandels, nötig ist: Werbung mit den Ängsten und den Emotionen der Menschen. Das funktioniert und alles was funktioniert um Gewinn zu machen ist richtig, egal ob es am Ende in irgendeiner Form Sinn für unser Klima und diesen Planeten macht. Beängstigend oder?
Ralf Schmerberg, ein Filmemacher, der jetzt drei Jahre lang seine grauen Zellen anstrengen darf, um Werbekampagnen für Entega zu entwerfen und aus dessen Gedankencenter auch die Schneemannkampagne entsprungen ist, meint dazu:
„Kunstaktion, Demonstration oder PR – ist doch scheißegal“.
Dass genau das nicht scheißegal ist, sondern eine entscheidende Rolle spielt, muss bald in unserer Gesellschaft ankommen, sonst werden wir nicht nur Kunst und Aktivismus durch Werbung und Konsum zerstören. Mit den Gefühlen und echten Ängsten, der Menschen zu spielen und daraus Profit zu schlagen, wird auf kurz oder lang in der Sackgasse enden. Wenn sogar existentielle Gefühle instrumentalisiert werden, verlieren die Menschen das Vertrauen in alles was sie umgibt und resignieren früher oder später.
Demo, Kunstaktion oder PR ist NICHT scheißegal.

Montag, 18. Januar 2010

2010: Internationales Jahr der Biodiversität

Liebe Freunde,

mein Hirn explodiert. Es ist voll von Info über Klimawandel und wie das ganze mit Naturschutz zusammenhängt. Eigentlich wollte ich meine Gedanken bezüglich der Bachelorarbeit recyceln und einen Artikel über das offizielle Jahr der Biodiversität 2010 schreiben. Und wie das ganze mit Klimawandel zusammenhängt und warum man aufpassen sollte nicht in Heuchelei zu verfallen, was das Thema angeht, aber ich denke das muss ich auf einen der nächsten Tage verschieben. Solche komplexen Gedankengänge sind momentan nicht im Rahmen meiner hirnlichen Möglichkeiten.
Daher nur ein kleiner Hinweis mit Bezug zu dem Thema: ich habe auf der rechten Seite des blogs zwei Banner angefügt: „Internationales Jahr der Biodiversität 2010“ und „Species of the Day“.

Der erste Banner führt zu der Seite, die die Biodiversitäts-Konvention (Convention on Biological Diversity CBD) bezüglich 2010 eingerichtet hat. Die Seite ist leider auf englisch.

„Species of the Day“ heißt „Art des Tages.“ Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) oder Weltnaturschutzunion veröffentlicht und aktualisiert die sogenannte Rote Liste. In ihr sind die weltweit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten gelistet. Die Weltnaturschutzunion wählt jeden Tag eine Art, die auf dieser Liste enthalten ist und macht sie zur „Art des Tages“. Der dazugehörige Banner wird jeden Tag aktualisiert und führt, wenn ihr ihn anklickt, zu einem Steckbrief bzw. einer kurzen Beschreibung, der jeweiligen Art. Leider ist das ganze auch auf englisch, aber ihr könnt es ja mal versuchen. Ich finde es immer wieder erstaunlich und zugleich schockierend, wie viele und welche Arten gefährdet sind.

Ich hoffe in naher Zukunft schaffe ich es eine kritische Betrachtung, des sogenannten „Internationalen Jahres der Biodiversität“ zu posten.
Der Einfachheit halber sind im Folgenden die beiden Banner noch mal angehängt:

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Nochmal: die beiden Banner sind dauerhaft auf der rechten Seite des blogs zu finden.

Donnerstag, 14. Januar 2010

You can't have infinity

Liebe Freunde,

Kopenhagen liegt inzwischen bereits einen Monat zurück. Die Medien haben das Thema verwunden und damit hat das Thema global massiv an Bedeutung verloren. Die Probleme die auf uns zukommen sind nicht ansatzweise gelöst. Im Gegenteil: es werden Wachstumsbeschleunigungsgesetze und Schattenhaushalte diskutiert, die genauso wie die momentane Klima- und Umweltpolitik zu lasten der kommenden Generationen gehen. Harald Welzer und Claus Leggewie schreiben in ihrem Buch „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“: „An wirtschaftlichen Stellschrauben zu drehen, wie in Konjunkturprogrammen und umweltpolitischen Reparaturmaßnahmen, gleicht dem Austausch eines defekten Wasserhahns in der Ersten-Klasse-Kabine der Titanic, nachdem sie den Eisberg gerammt hat.“
In anbetracht dieser Situation, möchte ich noch einmal an unsere Zeit in Kopenhagen erinnern, die geprägt war, von Repression durch die Polizei und Verhandlungen, die bewusst am Ziel vorbei geführt wurden. Allerdings nicht nur. Sie waren auch geprägt von friedlichen Demonstrationen und der Entstehung einer globalen Bewegung. Diese Bewegung fordert „System Change not Climate Change“ (Systemwandel nicht Klimawandel) und „You can’t have infinity“ (Ihr könnt keine Unendlichkeit haben). In der beschriebenen globalen Bewegung, die in Kopenhagen spürbar vorwiegend aus jungen Menschen bestand, werden die Dinge diskutiert, die wirklich eine Lösung wären: kein unendliches Wachstum, dezentrale, erneuerbare Energieversorgung, regionale und saisonale Ernährung, Alternativen zur fossilen Mobilität (Auto, Flugzeug), .... Lösungen, die alle dem Anspruch nach Unendlichkeit, Unbegrenztheit und Endlosigkeit widersprechen.
Leggewie und Welzer: „Das unausgesprochene, aber rigoros praktizierte Motto lautet: Unsere Kinder sollen es einmal schlechter haben als wir!“

Ich habe versucht unsere Eindrücke und die Atmosphäre, die wir in Kopenhagen erlebt haben, in einem Filmchen aus Fotos und Videoschnipseln, darzustellen. Für diejenigen von euch, die eine viertel Stunde Zeit haben:

Kopenhagen COP15 2009 from Info Klimaxikon on Vimeo.

Schneemann-Demo

ACHTUNG:
Ich habe übersehen wer die Demo veranstaltet: Entega, ein sogenannter Ökostromanbieter. André hat mich in einem Kommentar zu diesem Post darauf hingewiesen, dass Entega Schummelanbieter ist und versucht Kapital aus sogenanntem Klimaschutz zu schlagen. 2008 war Entega für den Preis "Die Grüne Tomate" nominiert. Der Preis wird an Firmen vergeben, die "Grünfärberei" oder "Greenwashing" betreiben und dem Bürger Dinge vermitteln, die zwar nicht gelogen sind, jedoch nicht dem entsprechen, was man normalerweise erwarten würde.
Schummelstromanbieter Entega erneut auf Utopia


Liebe Freunde,

gerade habe ich feststellen dürfen, dass vom 22.-24. Januar in Berlin eine Demonstration gegen den Klimawandel bzw. für entschiedenes Handeln stattfindet. Allerdings bin ich, wie ihr vielleicht auch, erstmal stutzig geworden, weil ich mir nicht ganz erklären konnte wie, bei einem so knackigen, schneeweißen Winter, wie wir ihn in Berlin schon eine Weile nicht mehr hatten, drei Tage lang demonstriert werden soll. Das kann nicht gesund sein.
Dann wurde mir jedoch einiges klar: für die Demonstrationsteilnehmer kann es nicht kalt und schneeweiß genug sein. Es handelt sich um Schneemänner.

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Wer also nicht nur Spaß am Schneemänner bauen hat, sondern seinem Schneemann gleich nach seiner Entstehung zur Inanspruchnahme seines Demonstrationsrechts verhelfen will, der finde sich innerhalb der genannten drei Tage in Berlin am Schlossplatz ein und erwecke seinen eisigen Kollegen zum Leben. Wem es aufgrund von Entfernung, Krankheit oder ähnlichen widrigen Umständen verwährt bleibt, an der Aktion teilzunehmen, kann sich trotzdem kreativ aus der Ferne einbringen. An folgende email-Adresse könnt ihr Plakattexte für die Demonstrationstransparente der Schneemänner einsenden: entega@schneemann-demo.de
Die Schneemänner mit den kreativsten Transparenten, werden später auf Utopia.de in einer Bildergalerie zu sehen sein.
Ansonsten baut doch einfach einen Schneemann bei euch im Garten, vielleicht auf einem Plastikliegestuhl mit Cocktail in der Hand und Sonnenbrille auf der Nase und schickt sonnige Schneemannsgrüße aus dem Süden, oder wo ihr grade seid.

Montag, 11. Januar 2010

Das perfekte Verbrechen?

Liebe Freunde,

ich bin seit heute dabei zu verstehen, über was ich eigentlich meine Bachelorarbeit schreibe und vor allem, warum ich das Ganze interessant finde. Die Überraschung meinerseits war groß und löste unmittelbar ein Wohlgefühl und eine Art Stressnachlass-Flow aus. Meine Arbeit ist nicht ganz klimaxikon-themenfern: weitestgehend geht es um die Anpassung des Naturschutzes an den Klimawandel. Aufgrund meiner, selbstverständlich intensiven Konzentration auf das genannte Thema, fiel es mir heute jedoch schwer den Weitblick zu bewahren und einen der Posts zu strukturieren und in die Tat umzusetzen, die ich schon seit längerem geplant habe.
Allerdings blieb Zeit und unausgelastete Hirnwindungen, um euch hiermit auf einen sehr übersichtlich gestalteten und gut erklärten link hinzuweisen:
Germanwatch (eine NGO, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzt) schildert "Den Globalen Wandel: Das perfekte Verbrechen?".

Wenn ihr etwas Zeit habt, kann ich euch wirklich empfehlen, dem link zu folgen und euch rechts an der Seite durch die verschiedenen Themen zu klicken:
Der Globale Wandel: Das perfekte Verbrechen?
Hier auch nochmal die direkten links, zu den verschiedenen Kategorien:
Wer sind die Opfer?
Wer sind die Täter?
Was sind die Motive?
Lösungsansätze
Wer zahlt die Schäden?

Samstag, 9. Januar 2010

The girl who silenced the world for 5 minutes

Liebe Freunde,

ich möchte heute nochmal ein Video loswerden, zu dem ich auch gar nicht viele Worte verlieren will. Das Video ist schon sehr alt (18 Jahre). Es wurde 1992, in Rio de Janeiro, Brasilien, aufgenommen. Ein Mädchen, Severn Cullis-Suzuki, spricht im Alter von 12 Jahren zu den Vereinten Nationen. Sie war in einer Kinder-Umweltschutzorganisation (Environmental Children's Organization (ECO))und sagt:

"Mein Vater sagt immer: Du bist was du tust, nicht was du sagst. Nun, was ihr tut, bringt mich Nachts zum Weinen. Ihr Erwachsenen sagt ihr liebt uns, aber ich fordere euch auf: Bitte! Lasst euer Handeln euren Worten folgen!"

Ich denke das Video erzeugt bis heute eine beklemmende Stille. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Severn inzwischen 30 Jahre alt ist.
Das Video ist auf Englisch, da Severn Kanadierin ist, aber ich habe eine Version mit deutschen Untertiteln gefunden:

Freitag, 8. Januar 2010

Die Anderen

Liebe Freunde,

heute gibt es nur einen kurzen Videotip. Laura, eine Kommilitonin von Felix, hat mich heute darauf hingewiesen, dass sie für eine Agentur gearbeitet hat, die mit Kurzfilmen versucht Menschen für Umwelt- und Klimafragen zu sensibilieren. Das Gesamtkonzept ist wirklich sehr interessant:
Das "Grundverständnis [von Freiland Kommunikation] ist es, dass jedes Mitglied dieser Gesellschaft, jede Person, Institution, jedes Unternehmen Verantwortung übernehmen sollte."
Menschen mit Kurzfilmen anzusprechen, die eindrucksvolle Botschaften künstlerisch und oft ironisch verpacken, ist im Web 2.0- und iPhone-Zeitalter das Mittel der Wahl um Aufmerksamkeit zu erregen und etwas zu bewegen.
Hier nun einer der Kurzfilme: "Die Anderen". Der Film hat den Klimapreis 2009, des 30. Internationalen Festival der Filmhochschulen in München, gewonnen.



Wer gerne noch mehr Kurzfilme dieser Art gucken will, folgt bitte einfach diesem Link:
Freiland Kommunikation Filme

Dienstag, 22. Dezember 2009

In was für einer Welt leben wir und wie geht es weiter?

Liebe Freunde,

Matthias, ein sehr guter Freund von mir hat in einer zusammenfassenden email an seine Freunde und Familie die Ereignisse und seine Erlebnisse in Kopenhagen geschildert. Ich fand seine Schilderungen und Schlußfolgerungen so eindrucksvoll und wichtig, dass ich ihn gebeten habe seine Nachricht als Nachruf auf Kopenhagen auf Klimaxikon posten zu dürfen. Sein Hauptpunkt ist der selbe, den ich schon einige Male genannt habe. Es geht jetzt darum selbst aktiv zu werden und ein möglichst großes Netzwerk mit ebenfalls aktiven Menschen zu bilden und zu leben. Wir dürfen nicht länger warten bis die UN oder sonst jemand in Kopenhagen oder sonstwo unsere Zukunft gegen die Wand fährt. Wir müssen uns zusammenschliessen und etwas neues beginnen.
Hier nun also der Bericht von Matthias (Vielen Dank!):

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Familie!

Wow - was für ein Jahresabschluss. 8 Tage Klimagipfel in Kopenhagen bergen Stoff für stundenlange Erzählungen. Mit einem riesigen Rucksack an Erlebnissen bin ich seit gestern Nacht wieder in Münster und würde gerne einiges von dem, was ich hautnah miterleben konnte teilen.
Wenn du dir etwas Zeit nimmst und mir folgen möchtest, freue ich mich sehr.

Als erstes ein paar Sachen zum Ergebnis des Gipfels:

Eine schlechte Aufbereitung und Moderation von seiten Dänemarks und immer stärker sichtbare krasse Zerwürfnisse in der internationalen Gemeinschaft haben dazu geführt, dass es keinerlei neue rechtliche Grundlage für die Reduktion von CO2-Emissionen gibt.
Obwohl am Freitag über 120 Regierungschefs vor Ort waren (1997 in Kyoto war es ein einziger!) und Obama großspurig ein zu verhandelndes Endergebnis auf den Tisch legte, fehlte am Schluss der wohlwollende Konsens. Nach Marathonsitzungen und massivem Druck seitens der Industriestaaten, den ärmsten Ländern bei Verweigerung der Gefolgschaft die Entwicklungszahlen zu streichen, platze Tuvalu der Kragen und endlich wurde gesagt, was schon lange nötig war: die vom Westen vorgeschlagenen und von China, Indien, Brasilien und Südafrika opportunistisch unterstützten Ziele helfen kleinen, strukturschwachen oder von klimatischen Veränderungen besonders stark betroffenen Gebieten nicht für 5 Cent. Alle Emissionsreduktionen zusammengenommen würde sich bis 2020 allerhöchsten 20% Reduktion erreichen lassen - wissenschaftlich dringend gefordert sind 40%. Inselstaaten wären damit einfach weg, Wüstengebiete nähmen rasant zu und dergleichen. Tuvalu, mit 12.000 Einwohnern insgesamt, tritt also der gesamten Industriewelt mächtig gegen das Schienbein und sagt: so nicht.
Trotz nächtlicher Sitzungsverlängerung und händeringendem Handeln und Erpressungen bleiben einige kleine Staaten endlich hart und machen klar: entweder ordentlich, oder gar nicht. So bleibt es und den "Copenhagen Accord" wird es auch weiterhin nur als Fußnote, die von der Weltgemeinschaft "zur Notiz genommen" wurde geben.

Nachzulesen recht schön hier:
Eskalation beim Gipfel

Soviel also zur offiziellen Seite.

Was passierte außenrum, was habe ich in der guten Woche in Kopenhagen gemacht?

Ich habe an 5 Demonstrationen teilgenommen, wovon diejenige am 12.12. eine der größten Umweltdemos der Geschichte mit 100.000 bunten AktivistInnen war.
700 Festnahmen: Aufregung bei Klima-Demonstration

Wenn ich nicht auf Demos war, dann entweder im Klimaforum, dem größten Alternativgipfel in der Stadt, oder im Climate-Bottom-Meeting in Christiania, einem ehemals besetzten Stadtteil und nunmehr seit über 25 Jahren sozialen Experiment. An beiden Orten wurde mir in zahlreichen großartigen Vorträgen, Workshops und persönlichen Gesprächen klar, dass sich hier eine wunderbare Bewegung formiert. Leute aus allen Ecken der Welt arbeiten kritisch, intelligent und kreativ an Möglichkeiten, soziale, ökologische, spirituelle und ökonomische Wege in einen nachhaltige Welt zu finden. Ich habe noch nie soviel positives Engagement, Wissen, Überzeugung und Inspiration an einem Ort gesehen wie hier. Für mich waren diese Orte die Punkte, an denen in den zwei Wochen tatsächlich über die Probleme und deren mögliche Lösungen diskutiert wurde. Im Bella-Center, dem Ort der offiziellen Verhandlungen, drehte sich alles eiskalt um Macht, Geld und Einfluss - abartig, angesichts dessen, was auf dem Spiel steht.
Wer einen Blick in die Progammhefte der beiden Veranstaltungen schauen möchte kann das hier tun:
Climate Bottom Meeting
Klimaforum09

Für die mit viel Zeit empfehle ich die Lektüre der "Declaration of the people", die im Klimaforum ausgearbeitet wurde und die echten und gerechten Umweltschutz anpacken würde:
Declaration of the people

Mittwoch gab es dann wieder Action: die Aktion "Reclaim Power", wunderbar zusammegefasst hier:
Reclaim Power Demonstration

Wer noch die Gruppe der Leute sehen will, die um die Polizei drumrum versucht hat, an und über den Zaun zu kommen, guckt sich das an:
Spiegel Online Video

Und damit sind wir beim traurigsten und heftigsten der Erlebnisse: meinem Tag im Gefängniskäfig der dänischen Polizei.
Wer beim letzten Video genau hingeschaut hat, konnte mich rennen sehen, (Pace-Flagge auf dem Rücken, rote Jacke): ich hatte wirklich keine Lust mehr, scheinheiligen Politikerreden, machtgeilen oder raffgierigen Programmen ruhig dabei zuzusehen, wie sie eine mögliche Zukunft der Erde in den Sand setzen. In der Schule werden uns die Helden des zivielen Ungehorsams ehrfürchtig beigebracht: Martin Luther King, Mahatma Gandhi, Rosa Parks, Hans und Sophie Scholl etc. Menschen, die für ihre Ziele eingestanden sind und mehr getan haben, als zu reden.
Was wir nicht beigebracht bekommen, ist die tatsächliche Aktion. Den Mut, den Arsch hochzukriegen, wenn es an die Substanz unsere Rechte oder einer Zukunft geht. Der Punkt hat mir bislang auch gefehlt, irgendwie hatte ich nie soviel Mut, solche Aktionen wirklich zu unterstützen.

Auch wenn die Aktion in diesem Fall lange nicht so pathetisch war, wie im Rassen- oder Freiheitskampf, geht es hier doch geht gerade um unsere vedammte Zukunft.

Also bin ich gerannt. Um mich mit Menschen aus dem Bella-Centre zu treffen und gemeinsam eine große People's Assembly mit kritischen und kreativen Beiträgen aus Bevölkerungsgruppen, die vom ach-so-offenen demokratischen Prozess ausgeschlossen werden, abzuhalten. All das wurde vorher angekündigt, eine absolut friedliche, kreative Aktion des Widerstands.

Weit sind wir nicht gerannt.

Dann kamen Polizeiketten, Hunde, Pfefferspray und Schlagstöcke. Durch zwei Polizeiketten bin ich hindurch, in der dritten, auf einem Mittelstreifen haben mich zwei Polizisten niedergerissen, auf den Boden gedrückt und mir die Hände mit Kabelbindern auf den Rücken gefesselt. Ich hatte noch Glück, andere lagen mit blutenden Kopfwunden auf dem Gras. Beim Abführen frage ich "if I might have my gloves, from the ground"?. Die Antwort des Polizisten: "YOU don't deserve that!!" Das hat mich getroffen. Genauso die halbe Stunde, die ich in einer Kette mit anderen Festgenommenen auf der Straße saß. Genauso die weiteren 3 Stunden, die ich in einer Garagenhalle gefesselt auf dem Boden saß und seitdem mein linker Daumen leicht taub ist und meine Handgelenke immer noch schmerzen.
Dann wurde ich fotografiert und mir gesagt, dass ich keinerlei Anklage bekomme, keinen Eintrag in das polizeiliche Führungszeugnis und mir nichts zu Last gelegt wird - ich aber trotzdem bis zu 12 Stunden eingesperrt werde - präventiv.
Ohne Schuhe, Gürtel, Jacke und Rucksack geht es in einen Gitterkäfig in einer großen Halle. Dort stehen 40 solcher Käfige in mehreren Reihen. Jeder Käfig hat geschätzte 10m² und wird mit 10 Menschen gefüllt.
Die Stimmung in der Halle ist explosiv. Menschen sitzen in Käfigen wie Tiere, sie schreien, trommeln und randalieren. Polizisten rennen hilflos oder aggressiv von links nach rechts, schreien ebenfalls, lachen oder versuchen, sich in dieser unwürdigen Situation trotzdem anständig zu benehmen. Zu trinken gibt es kaum etwas, das wenige muss ich mit einem Strohhalm durch die Gitterstäbe aus einem dargebotenen Becher saugen. Nach 7 Stunden gibt es etwas zu essen. Für Veganer einen Apfel und eine Birne.
Menschen fangen an zu randalieren, reißen Trennwände nieder, die Polizei lässt die kalte Winterluft die Halle abkühlen, als das nichts hilft kommt Pfefferspray im geschlossenen Raum zum Einsatz. Riot-Cops rennen in einen Käfig und knüppeln dort die zusammengekauerten Randalierer nieder.

In dieser Atmosphäre der Gewalt und Aggression versuche ich, einfach ruhig zu sitzen, mich abzuschotten. Ich bin nicht aufgeregt, ich spüre weder Aggression noch Hass, trotzdem trifft mich das alles zutiefst. Erinnerungen an das Stanford-Experiment (http://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Experiment) steigen in mir auf. Menschen werden zu Tieren, gefangen in ihren sozialen Rollen oder im Kampf um jeden Zentimeter von Freiheit oder Würde.
Und alles ist doch nur ein Teufelskreis: mehr desselben. Mehr Gewalt, mehr Abscheu, mehr Aggression, mehr Herabwürdigung.
Ich versuche, all die Bedürfnisse der Individuen zu sehen. Das Bedürfnis nach Ruhe, nach Freiheit, nach Selbstbestimmung, nach Mitspracherecht, nach Anerkennung, nach Pflicherfüllung, nach Ordnung. All diese Bedürfnisse sind vorhanden und werden in dieser Situation nicht im mindesten erfüllt. Das führt zur Aggression, das führt dazu, dem Gegenüber die Menschlichkeit abzusprechen.

Wow... wie lässt sich das überwinden?

Ich spreche mit einigen Insassen über gewaltfreie Kommunikation, ich komme mit ein paar Polizisten ins Gespräch und sehe Menschen hinter den Uniformen. Aber das System außenrum ändert sich nicht, es ist immer noch ein undemokratisches, repressives Gefängnis.

10 Stunden nach meiner Festnahme bin ich wieder frei. Ich werde alleine hinter der Gefängnishalle auf die Straße gestellt. Es hat zu schneien begonnen, eine dünne weiße Decke der Unschuld überzuckert Kopenhagen und dämpft meine Schritte. Ich werde hinter dem Tor von einer kleinen Gruppe von solidarischen Umweltkämpfern begrüßt. "Hey, willkommen! Wir haben Kaffee und Zigaretten!" - Danke, nichts von beidem. Ich gehe alleine zur S-Bahn und fahre zu unserer furchbar netten Gastgeberin, Ingrid, und stelle mich lange unter die heiße Dusche.

Die Erlebnisse wirken immer noch nach.
In was für einer Welt leben wir, auch hier im ach-so-freien Europa?

Die Tage danach waren trotzdem gut, ich habe die Aktion nicht bereut und  weiterhin wunderbare Menschen getroffen, mir Vorträge angehört, bin am letzten Abend in der kleine Gemeinschaftssauna in Christiania gewesen und habe dort mit vielen Menschen für eine Atmosphäre des Verständigung und der Liebe getanzt.

Gestern, am Samstag habe ich zum Abschluss noch die Leute vom Climate Justice Fast getroffen, die Aktion an der ich als Unterstützer im November teilgenommen habe. Gemeinsam habe ich mit zweien, die seit 43 Tagen nichts mehr gegessen hatten, ihren ersten Gemüsesaft getrunken.
Dann bin ich zum Zug gegangen und mit Raphael gemeinsam nach Deutschland zurückgefahren.

Wie geht es weiter?

Nun, in mir ist die Überzeugung gewachsen, dass ich bei mir selbst anfangen muss. Beim Thema Klimawandel kommen alle großen Fragen zusammen: Ökologie, Gerechtigkeit, sozialer Ausgleich, Kommunikation, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, alternative Wirtschaftsysteme... All das muss gelebt und ausprobiert werden!
Zusammen mit anderen Menschen, in Netzwerken. Diese müssen größer werden und zwar so groß, dass der Druck auf Politik und Wirtschaft spürbar wird. Den Anfang habe ich in Kopenhagen erlebt, 100.000 Menschen für die Umwelt auf die Straße gehen zu sehen war großartig.

Eins ist klar: ich freue mich nun riesig auf friedliche Weihnachten mit meiner Familie (und vor allem meiner Patennichte!!).

Damit beschließe ich den Bericht, danke herzlich für eure Zeit und Geduld, wünsche euch ebenfalls frohe, entspannte Festtage und freue mich, euch mal wieder zu sehen oder mit euch zu reden!

Alles Liebe,
Euer Matthias

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Fair, Ambitioniert, Bindend (FAB)

Liebe Freunde,

wie ihr vielleicht gesehen habt hat sich der Klimaxikon-Event Kalender in den letzten Tagen gefüllt. Alles was dort gelistet ist sind Aktionen, die in Kopenhagen interessant sein könnten. Morgen werden wir aufbrechen nach Kopenhagen und hoffentlich viele der gelisteten Events besuchen. Aber abgesehen von den vielen Veranstaltungen geht es natürlich hauptsächlich um das Ergebnis der Verhandlungen. Für ein gutes Ergebnis werden wir dort demonstrieren und versuchen uns so gut wir können einzusetzen.
Aber: Was wäre ein gutes Ergebnis? Was müsste berücksichtigt sein, damit Kopenhagen ein Erfolg wird?

Um diese Fragen zu beantworten möchte ich mich auf die Forderungen der NGOs (Nichtregierungsorganisationen) beziehen. Das Netzwerk der klimawandelspezifischen NGOs CAN fordert ein sogenanntes FAB Abkommen. FAB steht für Fair, Ambitioniert und Bindend.


Die essentiellen Ergebnisse die für FAB notwendig wären:

Ein Abkommen, das die Erderwärmung deutlich unter 2C hält.

Um dieses Ziel zu erreichen ist letztendlich eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen auf 350ppm CO2e notwendig. Dazu müssen die Emissionen zwischen 2013 und 2017 ihren Höhepunkt erreichen und sich danach rapide reduzieren, damit sie spätestens 2050 mindestens 80% unter dem Level von 1990 liegen. Dies muss in einem Rahmen passieren der die historische und aktuelle Verantwortung der Industrienationen berücksichtigt und eine nachhaltige Entwicklung für Entwicklungsländer gewährleistet.

Die Gruppe der Industrienationen muss sich gemeinsam auf eine Reduktion bis 2020, um mehr als 40% unter die Werte von 1990, festlegen.
Hierbei spielt eine wichtige Rolle, dass die Reduktionen der Länder auf Basis der geschichtlichen und aktuellen Verantwortung verteilt werden.

Entwicklungsländer müssen darin unterstützt werden, ihre industriellen Emissionen zu mindern.


Bis 2020 müssen Emissionen aus Waldabholzung und Waldzerstörung auf Null reduziert werden. Dies benötigt eine finanzielle Unterstützung der Industrienationen von ca. 25 Milliarden Euro jährlich.

Industrienationen müssen bis 2020 weitere 130 Milliarden Euro jährlich bereitstellen um die Anpassung der Entwicklungsländer an den Klimawandel zu finanzieren. Dieses Geld muss zusätzlich zu bereits bewilligter Entwicklungshilfe gezahlt werden.

Die Ergebnisse in Kopenhagen müssen rechtsverbindlich und durchsetzbar sein.

Bis die internationale Gemeinschaft sich auf ein System einigt, das auf bessere ökologische Ergebnisse, einen stärkeren Sanktions- oder anderen Einhaltungsmechanismus und weitreichende Unterstützung baut, sollte das Kyoto Protokoll mit einer zweiten Bindungsperiode fortgesetzt werden.
Ein ergänzendes Abkommen sollte amerikanische Festlegungen auf Emissionsreduktionen enthalten, die vergleichbar mit denen der anderen Industrienationen sind. Außerdem müssten finanzielle Verbindlichkeiten einbezogen werden. So auch Aktivitäten der Entwicklungsländer.


Natürlich ist ein solches Abkommen nicht alles was wir für eine gemeinsame Zukunft erreichen müssen. Allerdings wäre es das Beste was im Rahmen der offiziellen Verhandlungen in Kopenhagen möglich wäre.
Um auch die anderen Dinge die nötig sind (Energiewechsel und Energiesicherheit, Neudefinition der Idee von Wachstum und eine andere Städteplanung um einige Beispiele zu nennen) zu bedenken werden wir die vielen Events des Parallelgipfels „Klimaforum09“ besuchen. Unsere Hoffnung ist, dass wir jeden Tag wenigstens ein kleines Update über die Geschehnisse und das Erlebte in Kopenhagen veröffentlichen können. Also seid gespannt und bleibt am Ball...!

Join the call for a global climate deal at TckTckTck.org

Sonntag, 6. Dezember 2009

Interaktive Klimaanzeigetafel

Liebe Freunde,

zunächst einmal: es tut mir leid, aber der ausführliche Blogpost muss weiter auf sich warten lassen. Dieses Wochenende habe ich es leider nicht geschafft, aber bevor ich nach Kopenhagen fahre wird es den versprochenen „Was ist von Kopenhagen zu erwarten und worum geht’s überhaupt im Detail“-Post geben.

Morgen beginnen die Klimaverhandlungen und gestern hat sich eine Hiobsbotschaft verbreitet, die ich gerne an euch weitergeben will.
In dem Post Obama: Fototermin Kopenhagen? habe ich kritisiert, dass Obama diesen Mittwoch in Kopenhagen erscheinen wollte und nicht mit den anderen (mehr als 100) Staats- und Regierungschefs in den letzten beiden Tagen der Verhandlungen. Dieses Auftreten wurde von vielen verschiedenen Seiten als ein schlechtes Signal für ein ambitionierten Auftreten der Amerikaner wahrgenommen. Offensichtlich hat Obama Klimaxikon gelesen und ein schlechtes Gewissen bekommen oder der es hat ihn schlicht ein plötzlicher Geistesblitz getroffen, der ihn zu seiner gestrigen Entscheidung bewegt hat:

Obama wird am letzten Verhandlungstag (18.12.09) in Kopenhagen sein. Diese Entscheidung erhöht die Chancen für einen möglichst positiven Ausgang der Verhandlungen.
Damit bildet sich, zusammen mit den erstmalig bekanntgegebenen, spezifischen Minderungszielen Indiens (24% Reduktion im Vergleich zu 2005 bis 2020) und Chinas (40-45% Reduktion im Vergleich zu 2005 bis 2020), langsam ein Bild des internationalen Willens zur Einigung.

Allerdings bleibt das Problem erhalten, dass viele der Minderungsziele nach wie vor nicht ausreichend für die Ziele sind, die wir erreichen müssen. Das Hauptziel muss bleiben die Erderwärmung auf maximal 2°C zu beschränken. Dies ist der einzige Weg die katastrophalen Folgen des Klimawandel in Grenzen zu halten die wir als Weltgemeinschaft noch abfangen können.

Hierzu habe ich noch ein kleines, interessantes tool gefunden. Es nennt sich Climate Interactive Scoreboard. Auf Basis von Klimasimulationen und der Annahme, dass die angekündigten Minderungsziele eingehalten werden wird auf einer Thermometerscala angezeigt wie viel Grad Erwärmung zu erwarten sind. Leider ist das ganze auf Englisch. Jedoch sollte das tool selbsterklärend sein: die grüne Linie stellt die maximal verkraftbare Erwärmung dar, die gelbe Kurve zeigt an wo wir landen würden wenn wir einfach weitermachen wie bisher und die blaue Kurve zeigt die wahrscheinliche Erwärmung auf Basis der Minderungsziele an. Während der Verhandlungen wird sich die Scala also immer wieder aktualisieren.

Freitag, 4. Dezember 2009

Cooling Down

Liebe Freunde,

unsere Zeit ist momentan leider sehr knapp bemessen. Am Wochenende ist endlich wieder Zeit für einen ausführlicheren Post, in dem ich auf die Ziele für Kopenhagen und eine interessante Bemerkung eines renomierten Klimaforschers eingehen will, der heute geäußert hat, dass Kopenhagen scheitern muss wenn wir echte Ambitionen haben uns und das Klima zu retten. Klingt komisch ist aber so!

Zunächst würde ich euch gerne mit einigen anderen spannenden Dingen, die aber glücklicherweise nicht ganz so zeitaufwendig sind vertrösten:
Habt ihr schon Pläne für die gemütlichen (zumindest sollten sie das sein) Wintertage im Kreise der Familie? Hier eine kleine Empfehlung:

"Cooling Down" ist ein Brettspiel in dessen Verlauf die Klimaverhandlungen simuliert werden. Es werden nicht nur die Grundlagen des Klimawandels vermittelt, sondern es werden auch alle in Kopenhagen diskutierten Mechanismen zur Anpassung und Abschwächung des Klimawandels berücksichtigt.
Dies bietet die Möglichkeit gemeinsam die treibenden Kräfte hinter dem Klimawandel zu verstehen und Lösungsansätze zu erkennen.

Bei Interesse schaut euch doch einfach mal die Seite an:
Cooling Down
Cooling Down bestellen
Dr. Otto Ulrich der Autor des Spiels ist übrigens Mitbegründer von Eurosolar.

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Freitag, 27. November 2009

Die Rechnung

Liebe Freunde,

Der Germanwatch-Kurzfilm "Die Rechnung" wird ab sofort vier Wochen lang in dreizehn Städten Deutschlands als Vorfilm im Kino gezeigt. Auf YouTube wurde der Film innerhalb kurzer Zeit 75000 Mal angeklickt.

In dem von Regisseur Peter Wedel umgesetzten Kurzfilm unterhalten sich drei Freunde in einer Kneipe über ihre Erlebnisse in den vergangenen Wochen. Dabei entsteht ein buntes Klimasündenregister, das durch das Auftreten der Kellnerin zugespitzt wird. An dem Klima-Kurzfilm haben die bekannten deutschen Schauspieler Benno Fürmann, Bjarne Mädel, Christoph Tomanek und Ina Paule Klink mitgewirkt.

"Wir freuen uns sehr, dass der Film im Vorfeld des Kopenhagener Klimagipfels über das Internet hinaus verbreitet wird und in den Kinos weitere Zielgruppen ansprechen kann", so Sven Harmeling, Referent der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. "In ironischer und überzeichneter Art verknüpft der Kurzfilm die großen drängenden Fragen der Klimapolitik mit gelebter Verantwortung insbesondere für die besonders durch den Klimawandel betroffenen Menschen in Entwicklungsländern", so Harmeling weiter. Ein besonderer Dank gelte allen Schauspielern und Akteuren, die sich für die Umsetzung engagiert haben.

Peter Wedel, Regisseur des Films und Mitinhaber der Firma eco-film
ergänzt: "Der Film zeigt, dass nachhaltiges Handeln jeden Einzelnen etwas angeht, und dass dies häufig viel leichter ist, als gängige Vorurteile nahe legen." Jeder könne schon mit kleinen Veränderungen im Alltag dazu beitragen, die persönlichen CO2-Emissionen zu reduzieren.

"Nicht nur eine vermehrte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, auch der Kauf lokal produzierter Lebensmittel oder ein geringerer Fleischkonsum wirken sich positiv auf unsere CO2-Bilanz aus", so Wedel.

Der dem Film zugrunde liegende Drehbuchwettbewerb, die Umsetzung des Films und die Verbreitung in den Kinos wurden durch die finanzielle Förderung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) möglich.

(Text: Natur.de)

Mittwoch, 25. November 2009

Obama: Fototermin Kopenhagen?

Liebe Freunde,

Wie bereits kurz in einem der Kommentare im Post "COP15" erwähnt, wird die Positionierung der USA in Kopenhagen von entscheidender Bedeutung sein. Zu einem der Hauptpunkte, nämlich den Zielen der USA zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, hat sich der amrikanische Präsident Barack Obama heute geäußert:

Die USA wollen ihre Emissionen bis 2020 um 17% im Vergleich zum Level von 2005 reduzieren. In weiteren Schritten soll eine Reduktion um 30% bis 2025 und um 42% bis 2030 erreicht werden.
Diese Reduktionsziele will Obama persönlich am 9. Dezember in Kopenhagen ankündigen.

Wie sind diese Ankündigungen nun zu bewerten?
Eine Reduktion um 17% verglichen mit dem Level von 2005 kommt ungefähr einer Reduktion um 4% verglichen mit dem Level von 1990 gleich. Bereits das Kyoto-Protokoll (das nicht von den USA ratifiziert wurde) sieht eine durchschnittliche Reduktion der Treibhausgasemissionen der Industrieländer um 5,2% gegenüber dem Stand von 1990 vor. Dies sollte in der Periode zwischen 2008-2012 erreicht sein. D.h. die USA bleiben mit ihrer Ankündigung, die sie bis 2020 erfüllen wollen unter den Zielen der anderen Industrienationen bis 2012 zurück. Zum Vergleich: die EU hat eine Reduktion bis 2020 um 20% gegenüber dem Stand von 1990 angekündigt und denkt momentan über eine bedingslose Erhöhung dieser Ankündigung auf 30% nach. Die USA unterbieten die Werte der EU um 16-26%. Zusätzlich erscheinen die weiteren angekündigten Schritte der USA bis 2030 eher unrealistisch.

Obama plant dies alles am dritten Tag der Verhandlungen (09.12.09) anzukündigen. Zu diesem Zeitpunkt dreht sich noch alles um technische Details des Abkommens. Mindestens 65 anderen Regierungschefs erscheinen erst innerhalb der letzten beiden Tage des Gipfels, in denen die Entscheidungen getroffen, die im Endeffekt eine Rolle spielen.
Kyle Ash, der Klimaberater von Greenpeace USA, lässt sich zu der Bemerkung hinreißen: "Der Klimagipfel in Kopenhagen ist nicht nur ein Fototermin"

Um nicht alles schwarz zu malen etwas positives gegen Ende. Jeder Schritt in Richtung eines Abkommens an dem die USA beteiligt sind ist mehr als bisher von amerikanischer Seite beigetragen wurde. Leider weiß das auch Obama. In den letzten Tagen sprach er immer wieder von dem Abschluss eines "guten funktionsfähigen Abkommens". Bleibt zu hoffen, dass es hierbei nicht nur um Funktionsfähigkeit der amerikanischen Regierung geht.

Montag, 23. November 2009

COP15

Liebe Freunde,

das ist der erste Post dieses blogs und wir haben lange überlegt wie man sowas am dümmsten anfängt damit ein knackiger, spannender, zum Weiterlesen anregender erster Post dabei rumkommt. Man hätte über junge Eisbären schreiben können die auf einer schmelzenden Eisscholle von ihrer Mutter getrennt um ihr Leben kämpfen oder über Minister von den Malediven die eine Sitzung unter Wasser abhalten um auf die Gefahr des steigenden Meeresspiegels hinzuweisen.

Das machen wir in diesem ersten Post allerdings nicht. Er wird trockener, weniger knackig und nicht so spannend dass man unbedingt weiterlesen möchte. Er wird sich mehr um das drehen was bis zum 18. Dezember 2009 die hauptsächliche Rolle in den Verhandlungen um den Schutz unseres Klimas spielen wird: die Klimaverhandlungen in Kopenhagen. Allerdings sei hiermit trotzdem versprochen, dass es auch Themen wie außergewöhnliche Aktionen oder neue Errungenschaften, Erfindungen und Entscheidungen sein werden die in Zukunft hier Erwähnung finden werden.

Bevor es richtig losgeht noch kurz ein, zwei organisatorische Dinge:
Dieses blog hat eine Kommentarfunktion. Wir würden uns sehr freuen wenn ihr euch rege an allem was hier beteiligt. Egal ob ihr Kritik anbringen wollt, spezielle Fragen zu einem Thema habt oder Vorschläge bezüglich zukünftiger Themen oder interessante Links von denen ihr denkt wir sollten sie hier veröffentlichen bitte meldet euch durch ein Kommentar oder eine email bei uns. Das Hauptziel dieses blogs ist selbst aktiv zu werden und bei anderen Aktivität zu erzeugen daher ist eure Beteiligung soetwas wie ein Indikator für den Erfolg dessen was wir hier tun.

So jetzt aber zum Thema: Die Klimaverhandlungen in Kopenhagen
Sie sind bereits in aller Munde. Es gibt Kritiker und Befürworter des Prozesses, aber weiß eigentlich wirklich jeder was in Dänemark passieren soll und warum das alles stattfindet?

Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel hat bereits eine lange Geschichte.
1992 trafen sich die Vereinten Nationen in Rio de Janeiro und verfassten einen Vertrag der festlegt dass die Treibhausgasemissionen in der Atmosphere so niedrig gehalten werden müssen dass ein gefährlicher menschlicher Eingriff in das Klimasystem der Erde vermieden wird. Dieser Vertrag nennt sich "United Nations Framework Convention on Climate Change" UNFCCC oder Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen.

Der Vertrag ist nicht gesetzlich bindend. Anstatt dessen werden im Rahmen des Vertrags immer wieder Aktualisierungen erstellt. Diese werden Protokolle genannt und enthalten verpflichtende Emissionsgrenzen oder andere Mechanismen zum Schutz des Klimas. Das bekannteste dieser Protokolle ist das Kyoto-Protokoll. Es trat am 16. Februar 2005 in Kraft und endet 2012. Das Kyoto-Protokoll war das bis dato erste und letzte Abkommen, das völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in Industrieländern festlegte.

Seit 1995 haben sich die Länder, die die Klimarahmenkonvention unterzeichnet haben jährlich getroffen um den Fortschritt des Klimawandels zu diskutieren. Diese Treffen nennen sich "Vertragsstaatenkonferenz" oder "Conference of the Parties" (COP).
Vom 07.-18. Dezember 2009 wird nun in Kopenhagen die 15. Konferenz der Vertragsstaaten stattfinden die sogenannte COP15.

Warum ist das Treffen in Kopenhagen so entscheidend?
2012 endet das Kyoto-Protokoll. Wie bereits erwähnt enthält die Klimarahmenkonvention keine völkerrechtlich bindenden Emissionsgrenzen. Diese werde ausschliesslich über Protokolle geregelt. Mit dem Kyoto-Protokoll endet also das einzige international gültige Instrumentarium zum Schutz des Klimas.

In den nächsten Einträgen werden wir näher darauf eingehen was die Probleme bezüglich eines neuen Abkommens sind und warum alle Welt inzwischen davon spricht dass Kopenhagen kein Erfolg mehr werden kann...