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Freitag, 19. Februar 2010

Robin Hood Steuer

Liebe Freunde,

es ist schon eine Weile her, dass ihr von Klimaxikon gehört habt. Mir bleibt momentan leider sehr wenig Zeit für das Blog, aber heute ist es mal wieder soweit. Ich bin kürzlich über ein Video gestolpert. Es ist nur 3:25 Minuten lang und auf englisch. Sein Name: Robin Hood Tax. Weil ich die Idee dahinter gut finde war ich schon wieder kurz davor Untertitel dafür zu fabrizieren, aber dann hat das Kampagnenbündnis Steuer gegen Armut: Transaktionssteuer am Dienstag einen eigenen Spot mit Heike Makatsch und Jan Josef Liefers veröffentlicht.
Teil des Bündnisses sind viele verschiedene Organisationen darunter Vertreter der Kirchen, Gewerkschaften, NGOs, Banken und Wissenschaft (Adveniat, Ärzte für die Dritte Welt, Attac, Jesuitenmission, DGB, EED, Medico International, Misereor, Oxfam, VENRO Welthungerhilfe).
Die Kampagne fordert die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen. Dies soll bewirken, dass kurzfristige Spekulationen unrentabel werden, jedoch mittel- und langfristige Investitionen nicht behindert werden. National würde die Steuer ein- bis zweistellige Milliardenbeträge generieren. International sollen sich die Beträge im dreistelligen Bereich bewegen. Abgesehen von den stabilisierenden Auswirkungen auf unseres wackligen Finanzsystems würde Geld, das eigentlich nur zur Gewinnmaximierung genutzt wird, verfügbar für Armutsbekämpfung und Klimaschutz.
Hier die beiden Videos auf deutsch und englisch:





Hier kann man die Online-Petition unterschreiben:
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Montag, 1. Februar 2010

Die Geschichte mit dem Emissionshandel

Liebe Freunde,

seit dem letzten Post ist einige Zeit vergangen, aber das hat auch seinen Grund. Ich habe nämlich einen kleinen Film übersetzt! In Kopenhagen haben wir das Filmchen „The Story of Cap and Trade“ oder „Die Geschichte mit dem Emissionshandel“ gesehen. Der Film ist von den Machern des Films „The Story of Stuff“, den ich in einem früheren Post auf Klimaxikon vorgestellt habe (04.12.2009 Unsere kleine Welt). Ich fand ihn damals schon sehr eindrucksvoll und bin irgendwann vor kurzem, wieder über ihn gestolpert. In einer email habe ich mich dann, bei den Filmemachern, nach deutschen Untertiteln erkundigt, musste aber leider feststellen, dass sie nicht existieren. Allerdings habe ich ein Worddokument mit dem Reintext bekommen und das Ganze übersetzt und in den Film eingebunden. Der ganze Prozess hat ein Weilchen gedauert, aber jetzt ist es soweit.
Der Film ist sehr schnell und von Fakten gespickt. Es geht darum, dass in den USA der Emissionshandel eingeführt werden soll. In Europa haben wir diesen Schritt ja bereits hinter uns. Der Film zeigt die Probleme, des Emissionshandel auf und warum es sehr problematisch ist all seine Hoffnungen in einen Marktmechanismus zu setzen, der nicht funktioniert bzw. missbraucht wird. Der Film hilft dabei, die Hintergründe eines, als Hauptlösung für den Klimawandel, gehandelten Mechanismus, zu verstehen. Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail und die „Teufel in den Details“ des Emissionshandels, sind nicht zu unterschätzen:
Teufel 1: freie Verschmutzungsrechte für Verschmutzer
Teufel 2: Verrechnung von Emissionen (Offsetting)
Teufel 3: Verblendung: echte Lösungen werden vergessen

Die deutsche Übersetzung des Textes ist ungefähr eine Seite länger, als die englische Version. Da der Film bereits im Englischen ziemlich zackig aufgemacht ist, macht sich das beim Mitlesen bemerkbar.

Montag, 25. Januar 2010

300 Tonnen Kunstschnee gegen den Klimawandel

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Liebe Freunde,

letztes Wochenende fand die Schneemann-Demo, am Schlossplatz, in Berlin statt. Die „Demo“ war bereits zweimal Thema auf Klimaxikon und ich möchte jetzt noch einmal darauf eingehen, um noch einige, interessante Details über die Demo, zu erwähnen.
Die sogenannte „Demo“ war nicht als Demonstration angemeldet. Heidi Klein von Lobby Control sagt: „Der Demobegriff wird missbraucht, wenn Menschen denken, sie gehen auf eine Protestveranstaltung und bekommen dafür ein Werbe-Event“. Auf Demonstrationen ist es tatsächlich selten, dass man von Hostessen empfangen wird, die grinsen (ein bisschen wie Westerwelle) und Broschüren verteilen. Aber nicht nur das, die Werbekampagne ist, wie das eine gute Werbekampagne mit viel Geld im Hintergrund immer ist, durchorganisiert bis ins letzte. Weil es „um die Sache geht“, hätte die Aktion auch bei 10 Grad plus stattgefunden, äußerte sich eine Vertreterin der Werbeagentur, die das Event organisiert hat. Wie das möglich ist? Man ließ am vergangenen Wochenende 300 Tonnen Kunstschnee auf dem Schlossplatz produzieren.
Kunstschnee gegen den Klimawandel! Da hat jemand verstanden was jetzt, in Zeiten des Klimawandels, nötig ist: Werbung mit den Ängsten und den Emotionen der Menschen. Das funktioniert und alles was funktioniert um Gewinn zu machen ist richtig, egal ob es am Ende in irgendeiner Form Sinn für unser Klima und diesen Planeten macht. Beängstigend oder?
Ralf Schmerberg, ein Filmemacher, der jetzt drei Jahre lang seine grauen Zellen anstrengen darf, um Werbekampagnen für Entega zu entwerfen und aus dessen Gedankencenter auch die Schneemannkampagne entsprungen ist, meint dazu:
„Kunstaktion, Demonstration oder PR – ist doch scheißegal“.
Dass genau das nicht scheißegal ist, sondern eine entscheidende Rolle spielt, muss bald in unserer Gesellschaft ankommen, sonst werden wir nicht nur Kunst und Aktivismus durch Werbung und Konsum zerstören. Mit den Gefühlen und echten Ängsten, der Menschen zu spielen und daraus Profit zu schlagen, wird auf kurz oder lang in der Sackgasse enden. Wenn sogar existentielle Gefühle instrumentalisiert werden, verlieren die Menschen das Vertrauen in alles was sie umgibt und resignieren früher oder später.
Demo, Kunstaktion oder PR ist NICHT scheißegal.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Soziale Banken

Liebe Freunde,

heute möchte ich mich weit aus dem Fenster lehnen und über Banken berichten.
Wir sind/waren alle entsetzt über die Finanzkrise. Zum Glück sind wir/unsere Regierung der Lage schnell Herr geworden. Zum Beispiel wurde die HypoRealEstate gerettet. Das hatte sie auch bitter nötig. Notleidende Banken brauchen unsere Unterstützung, deshalb haben wir uns die HRE auch ein nettes Sümmchen kosten lassen: mindestens 135 Mrd. Dollar (2008/2009). Im Vergleich dazu: die gesamte Entwicklungshilfe der 22 Geberländer betrug 2007 104 Mrd. Dollar. Unbeschreibliche Summen finanzieren unbeschreibliche Ungerechtigkeit. Die Strukturen, die vor dem großen Crash herrschten, sind jedoch bei Weitem nicht gebrochen. Die Banken spekulieren und verspekulieren fröhlich weiter.
Ein charismatischer 36 Jähriger Belgier hatte eine Idee. Wenn es keine Banken gibt, die transparent agieren und sich für sinnvolle Dinge einsetzen, dann gründe ich eben eine. Genau das hat er auch getan, die noa bank. Die noa bank versteht sich als soziale Bank, mit hohem ethischen und ökologischen Anspruch. Transparenz spielt bei der noa bank eine große Rolle. Der Sparer kann zwischen verschiedenen Themenfeldern wählen in denen sein Geld angelegt werden soll: Region, Planet, Leben und Kultur. Unter "Region" verbergen sich regionale Förderansätze in den einzelnen Bundesländern. Über "Planet" wird in erneuerbare Energien, biologische Landwirtschaft und ökologische Bauwirtschaft investiert, bei "Leben" in Krankenhäuser, Laboratorien, Altenheime oder Behinderten-Einrichtungen. Und wählt man "Kultur", so unterstützt man Künstler und Kultureinrichtungen.
Bei der noa bank sind Tagesgeld (2,2%), ein Festgeld (bis zu 3%) und ein kostenloses Girkonto an. Ich habe noch keinen Nachteil gefunden, außer dass über die Staatsgarantie von 50000 Sicherung je Kunden, keine zusätzlichen freiwilligen Sicherungen vorhanden sind. Für mich persönlich spielt das erstmal keine soo große Rolle, aber es soll Leute geben für die das wichtig ist.
Die noa bank ist natürlich nicht die einzige sogenannte „social bank“. Andere ethische und ökologische Anbieter sind die Ethikbank, die Umweltbank und die GLS Bank. Andere Konzepte, wie beispielsweise smava setzten auf direktes Geld leihen bzw verleihen zwischen Menschen. Insgesamt gibt es eine Fülle an Angeboten, um die Anlage seines Geldes besser zu kontrollieren und mit zu entscheiden wofür, das Geld, das man irgendwo ablegt eigentlich benutzt wird. Natürlich sollte man sich, bevor man voll und ganz seine Bank wechselt ausreichend informieren. Ich habe die noa bank herausgepickt, weil sie relativ neu ist und wie ich finde ein vielversprechendes Konzept hat. Aber bitte weist mich auf andere Anbieter oder Tücken über die ihr stolpert hin. Insgesamt ist der Ansatz bewusster Geld zu verleihen und sicher zu gehen, dass damit keine Umweltzerstörung, Hunger oder Kinderarbeit in einer virtuellen Geldwelt finanziert wird, ein sehr guter.
Hier noch das „Werbevideo“ zur noa bank:

Mittwoch, 20. Januar 2010

Greenwashing

Liebe Freunde,

der Greenwashing-Kampagne von Entega wurde noch einmal eins oben drauf gesetzt. Um das grüne Image auszubauen und Familien von sich zu überzeugen, wurde nicht nur die Schneemann-Demo (übrigens ist die Idee dafür von den Klimaschützern von „Kohle nur noch zum Grillen“ abgekupfert, die letzten Winter die gleiche Aktion gemacht haben: Schneemann-Proteste greifen um sich...) organisiert, es ist zusätzlich ein Kinderbuch gedruckt und online veröffentlicht worden: „Die Geschichte vom weinenden Schneemann“. André, der mich auf den Ökobetrug von Entega aufmerksam gemacht hat, formuliert diese Strategie so: „Sie wollen die Kinder“. Um Familien zu einem Stromwechsel zu den netten, grünen Ökofreunden von Entega zu bewegen, wird eine Verbindung mit den kleinsten aufgebaut: clever!
Wenn ihr auf das Bild klickt, könnt ihr euch das Buch zu Gemüte führen. Dabei ist zu beachten, dass unter jedem Bild (außer das Titelbild) von schlauen Menschen, von Utopia-Watchblog, die Kommentarfunktion für kritische Bemerkungen genutzt wurde.
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Die Idee des Greenwashings ist eine Strategie, um von eigenen Fehlern abzulenken oder diese sogar zu legitimieren bzw. für sich zu instrumentalisieren. Grundsätzlich ist dieses Konzept wirtschaftlich gesehen überhaupt nicht verwerflich. Eine Firma versucht sich rein zu waschen und mehr Geld zu verdienen. So funktioniert das System. Wer darauf reinfällt (so wie ich kürzlich) ist selbst Schuld. So oder so ähnlich muss der Argumentationsstrang eines Marketingbeauftragten (oder wer auch immer so etwas in einer Firma entscheiden darf) aufgebaut sein. Allerdings versetzt mich allein die Möglichkeit, dass Menschen bewusst Falschinformationen (bzw. Informationen in denen wesentliche Aspekte verschwiegen werden) als Werbung verbreiten, um an nichtsahnenden anderen Menschen zu verdienen, in Verzweiflung. Diese Empfindung wird noch gesteigert, wenn man sich vor Augen führt, dass beschriebene nichtsahnende Menschen, durch solche Taktiken, dazu getrieben werden, ihren Kindern und Enkelkindern zu schaden und den Weg in ein nachhaltiges, funktionierendes System zu verbauen. Meinem Verständnis von Gerechtigkeit nach zu urteilen, müsste ein solches Verhalten geahndet werden. Es gibt Menschen, die zum Beispiel wegen „Anstiftung zum Mord“ verurteilt werden oder wegen „unterlassener Hilfeleistung“. Aber was ist mit Menschen die andere Menschen ohne ihr Wissen dazu instrumentalisieren Dinge zu tun, die für ihre eigenen und andere Kinder bedeuten können: schlechter leben zu müssen als ihre Eltern, Angst um Nahrung, Wasser und andere Ressourcen zu haben, Kriege zu erleben... ist so etwas dann „Anstiftung zum Mord an Vielen“?

Letzten Sommer wurde in Berlin, mit großen Plakaten, Werbung für Atomkraft gemacht. Der sogenannte Informationskreis KernEnergie rühmte auf diesen Plakaten den „Klimaschützer der Woche“. Hierbei handelte es sich um Kernkraftwerke, die nach Aussage des Informationskreises, einen CO2-Ausstoß von „Null“ haben. Ich will an dieser Stelle nicht in die Details gehen, aber es ist falsch, dass die Stromproduktion mit Kernenergie keinen CO2-Ausstoß zur Folge hat. Die anderen Konsequenzen, die Kernenergie grundsätzlich mit sich bringt, werden auf den Plakaten selbstverständlich vollends verschwiegen. Ein findiger Mensch hat auf eines der Plakate ein Radioaktivzeichen gemalt, um zu verdeutlichen, wie gefährlich Kernenergie ist und auf das „Greenwashing“ der Atomlobby hinzuweisen.

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Unter folgendem link stellt die Verbraucherschutzzentrale ein Online-Formular bereit um Werbung mit Klimaschutzargumenten zu melden.
Werbung melden
Die Verbraucherschutzzentrale sammelt Werbung mit Klimaschutzargumenten, um gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten zu können. Wir können also, wie derjenige, der das Radioaktivzeichen gemalt hat, dazu beitragen, dass Konzequenzen gezogen werden, wenn Greenwashing um sich greift.

Hier außerdem ein Interview mit Katja Mrowka von der Verbraucherschutzzentrale:
Produktwerbung zwischen Wahrheit und Täuschung

Donnerstag, 14. Januar 2010

You can't have infinity

Liebe Freunde,

Kopenhagen liegt inzwischen bereits einen Monat zurück. Die Medien haben das Thema verwunden und damit hat das Thema global massiv an Bedeutung verloren. Die Probleme die auf uns zukommen sind nicht ansatzweise gelöst. Im Gegenteil: es werden Wachstumsbeschleunigungsgesetze und Schattenhaushalte diskutiert, die genauso wie die momentane Klima- und Umweltpolitik zu lasten der kommenden Generationen gehen. Harald Welzer und Claus Leggewie schreiben in ihrem Buch „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“: „An wirtschaftlichen Stellschrauben zu drehen, wie in Konjunkturprogrammen und umweltpolitischen Reparaturmaßnahmen, gleicht dem Austausch eines defekten Wasserhahns in der Ersten-Klasse-Kabine der Titanic, nachdem sie den Eisberg gerammt hat.“
In anbetracht dieser Situation, möchte ich noch einmal an unsere Zeit in Kopenhagen erinnern, die geprägt war, von Repression durch die Polizei und Verhandlungen, die bewusst am Ziel vorbei geführt wurden. Allerdings nicht nur. Sie waren auch geprägt von friedlichen Demonstrationen und der Entstehung einer globalen Bewegung. Diese Bewegung fordert „System Change not Climate Change“ (Systemwandel nicht Klimawandel) und „You can’t have infinity“ (Ihr könnt keine Unendlichkeit haben). In der beschriebenen globalen Bewegung, die in Kopenhagen spürbar vorwiegend aus jungen Menschen bestand, werden die Dinge diskutiert, die wirklich eine Lösung wären: kein unendliches Wachstum, dezentrale, erneuerbare Energieversorgung, regionale und saisonale Ernährung, Alternativen zur fossilen Mobilität (Auto, Flugzeug), .... Lösungen, die alle dem Anspruch nach Unendlichkeit, Unbegrenztheit und Endlosigkeit widersprechen.
Leggewie und Welzer: „Das unausgesprochene, aber rigoros praktizierte Motto lautet: Unsere Kinder sollen es einmal schlechter haben als wir!“

Ich habe versucht unsere Eindrücke und die Atmosphäre, die wir in Kopenhagen erlebt haben, in einem Filmchen aus Fotos und Videoschnipseln, darzustellen. Für diejenigen von euch, die eine viertel Stunde Zeit haben:

Kopenhagen COP15 2009 from Info Klimaxikon on Vimeo.

Samstag, 19. Dezember 2009

Hopenhagen vs Cokenhagen

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Liebe Freunde,

wir sitzen gerade im Bus nach Berlin. In Kopenhagen müssten die Verhandlungen langsam aber sicher in die Endphase gehen. In einer in Kopenhagen kostenlos verteilten Zeitung „The COP15 Post“ ist heute ein Artikel von Johann Hari erschienen. Er beschreibt wie ich finde sehr gut die Sinnlosigkeit des momentan diskutierten Abkommens. Es wäre notwendig über völlig andere Dinge nachzudenken und nicht an marktbasierten Lösungen festzuhalten. Um euch die Möglichkeit zu geben ein mögliches Abkommen objektiv zu beurteilen habe ich den Artikel übersetzt und teilweise ergänzt oder umstrukturiert:

Die Delegierten der Klimaverhandlungen in Kopenhagen wurden auf dem zentralen Platz der Stadt von einem riesigen, stilisierten Globus begrüßt. Dieser sich drehende Globus ist gespickt mit Firmenlogos. Das Coca Cola Emblem bedeckt Afrika, während Carlsberg anscheinend Asien eingenommen hat und darüber verkündet McDonald’s in großen riesen Lettern: „Ich liebe es!“. „Welcome to Hopenhagen“ hört man es rufen.

Der Plastikplanet ist das perfekte Symbol für diesen Klimagipfel. Der Welt wird weisgemacht, dass ein Notfalltreffen zur Lösung der Klimakrise stattfindet. Eigentlich findet im Bella Center jedoch eher ein Jonglieren mit Formulierungen statt, welches gewährleisten soll, dass die Länder nicht einmal das Minimum leisten müssen, das zur Abschwächung der dramatischen Folgen des Klimawandels notwendig wäre.
Eine junge Frau aus Fiji bricht zusammen als sie der Konferenz davon berichtet, dass sie ihr Heimatland untergehen sehen wird wenn wir nicht jetzt handeln. „Alle Hoffnungen meiner Generation liegen auf Kopenhagen“ sagt sie. Chinesische und indische NGOs erklären wie schnell das Himalaya Eis verschwindet und, dass es bis 2035 verschwunden sein wird. Das Eis stellt ein Viertel des Trinkwassers der Weltbevölkerung bereit.
Mohammed Nasheed, Präsident der versinkenden Malediven, meint: „Die letzte Generation war auf dem Mond, diese Generation muss sich entscheiden ob sie auf dem Planeten Erde überleben will.“

Wir wissen was wir brauchen um wenigstens eine Chance zu haben mit den katastrophalen Folgen des Klimawandels umzugehen: die Emissionen der Industrieländer müssen um 40% im Vergleich zu 1990 sinken – bis 2020. Wir können darüber diskutieren wie wir das erreichen aber wir können nicht mit der Physik darüber diskutieren welches Ziel wir haben: die Atmosphäre hat eine klare Grenze wie viel sie absorbieren kann. Das können wir respektieren oder untergehen.

Die reichen Länder versuchen mit perfiden Methoden den Eindruck von Emissionsminderungen zu erwecken obwohl nichts dergleichen passiert. Heute oder morgen wird mit großem Tamtam das Ergebnis des Gipfels verkündet werden. Um die Realität dieses Ergebnisses zu verstehen ist es notwendig zu verstehen welche Tricks eingebaut werden.

Die meisten Tricks basieren auf einem Fehler im System: ein reiches Land kann seine Emissionen „mindern“ ohne selbst weniger Emissionen auszustoßen. Wie? Es kann ein armes Land bezahlen damit dieses weniger emittiert als es eigentlich wollte. Das klingt ja zunächst einmal relativ logisch: wir haben alle die gleiche Atmosphäre, also müsste es egal sein wo Emissionen eingespart werden. Aber ein System in dem Emissionen von einem Land an ein anderes verkauft werden können erzeugt eine unglaubliche Komplexität. Das Thema wird so schnell so technisiert, dass ihm niemand mehr folgen kann – kein aufmerksamer Bürger, kein Journalist und beinahe nicht einmal professionelle Umweltgruppen.
Man kann sehen ob seine Regierung mehr Kohlekraftwerke baut oder Flughäfen oder Autobahnen. Man kann allerdings nicht sehen ob die Emissionsminderungen die man auf der anderen Seite der Erde „eingekauft“ hat wirklich passieren – vor allem wenn sie auf Hochrechnungen von Emissionssteigerungen basieren, die eingetreten wären, hätte die Regierung nicht das nötige Geld bereitgestellt.

Eine Studie der Stanford Universität hat ergeben, dass die meisten der Projekte die durch Emissionshandel finanziert sind und zu Emissionsminderungen führen sollen entweder nicht existieren, nicht funktionieren oder sowieso (auch ohne Emissionshandel) umgesetzt worden wären. Der Mechanismus ist aber nicht ein kleines Nebenprodukt eines Abkommens sondern längst der wichtigste Bestandteil. Daher ist es angebracht einige der Betrügereien, die ein Abkommen in die Bedeutungslosigkeit überführen würden, zu erläutern.

Trick eins: „Hot Air“. 1990 wurden an alle Länder Berechtigungen zum Ausstoß von Treibhausgasen vergeben. Zu diesem Zeitpunkt war die Sowjet Union noch eine starke, große Industriemacht. Daher erhielt sie auf Basis ihrer damaligen Emissionen einen riesen Haufen Emissionszertifikate. Im Jahr darauf allerdings, kollabierte die Sowjet Union und damit auch ihre Emissionen. So hat Russland und andere osteuropäische Länder Unmengen an Emissionsrechten angesammelt. Diese Emissionen, die eigentlich niemals genutzt worden wären, werden nun an reiche Länder verkauft. So können die USA beispielsweise von Rumänien Emissionsrechte kaufen und behaupten es hätte seine Emissionen gemindert. Diese Emissionsrechte sind jedoch nichts als Fiktion und tragen in keinster Weise zu einer Minderung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre bei.
Bei der sogenannten „Hot Air“ geht es nicht um Peanuts. Sie repräsentiert 10 Gigatonnen CO2. Zum Vergleich: wenn alle Industrienationen ihre Emissionen bis 2020 um 40% reduzieren würde das gerade einmal 6 Gigatonnen CO2 aus der Atmospäre entziehen.

Trick zwei: „Double Counting“ oder Doppelt Zählen. Dieser Trick ist am einfachsten mit einem Beispiel zu verstehen. Wenn England China dafür bezahlt anstatt eines Kohlekraftwerks ein Wasserkraftwerk zu bauen, wird das den Emissionsrechten Englands positiv angerechnet. England darf also ein Kohlekraftwerk im eigenen Land länger laufen lassen. Das Problem ist nun allerdings, dass China sich die gleiche Leistung positiv auf ihre eigenen Emissionsminderungen anrechnet. Eine Tonne CO2-Minderung wird also zweimal gezählt. Dieser Umstand führt das System in die Sinnlosigkeit und steigert die Emissionen sogar.

Trick drei: „Fake-Wälder“. Die Abkürzung des Prozesses heisst offiziell „LULUCF“ oder „Land-Use, Land-Use-Change and Forestry“ (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft). Wälder absorbieren Treibhausgase und entziehen sie damit der Atmosphäre – daher bekommen Länder Zertifikate wenn sie ihre Wälder schützen. Dieses System wäre logisch und sinnvoll hätten kanadische, schwedische und finnische Forstfirmen nicht durchgesetzt, dass eine neue Klausel in den Text des Abkommens aufgenommen wird. Die neue Regel besagt, dass im Rahmen von nachhaltiger Forstwirtschaft fast alle Bäume gefällt werden können ohne, dass Zertifikate verloren gehen. Es ist grotesk: ein gefällter Wald erhöht offiziell die Emissionen nicht, obwohl die Emissionen real rapide steigen.

Es gäbe noch dutzende ähnlicher Schlupflöcher, die dem Abkommen den Sinn vollständig entziehen. Die Bürgerschaft wäre stinksauer und entsetzt wenn sie verstehen würde wie kontraproduktiv das Abkommen wird. Das System wird daher absichtlich unverständlich konstruiert. Wenn wirklich ernsthafte Verhandlungen geführt würden, wären alle Schlupflöcher innerhalb von Sekunden beseitigt. Dies geschieht nicht und die Industrienationen weigern sich zusätzlich das geplante Pseudoabkommen rechtlich verbindlich zu machen. Wir werden betrogen obwohl es um das wichtigste Thema der Welt geht – die Stabilität unserer Biosphäre.

Unsere Staatsoberhäupter geben uns kein „Hopenhagen“ - Sie geben uns „Cokenhagen“: gezuckertes Wohlgefühl gefüllt mit ungesunden Zusätzen ohne Nährstoffe. Das Verhalten der Staatsoberhäupter – welches das Minimum das von Wissenschaftlern als sicher beschrieben wird, nicht einmal in Betracht zieht – deutet darauf hin, dass sie mehr Angst vor den Firmenlobbies haben, die ihre Kampagnen finanzieren als vor steigendem Meeresspiegel oder untergehenden Zivilisationen.

Trotz allem bleibe ich hoffnungsvoll. In Kopenhagen haben sich in den letzten beiden Wochen tausende Menschen aus der ganzen Welt versammelt, die keine weiteren Betrügereien mehr akzeptieren. Sie werden nicht weiter zusehen wie unsere Ökosysteme zerstört werden. Sie verlangen schlicht was die kalte, harte Wissenschaft verlangt: echte und drastische Emissionsminderungen, überwacht von einem globalen Umweltgerichtshof, der jedes Land bestraft, das uns alle gefährdet. Diese globale Bewegung wird nicht mit Kopenhagen enden. Die Verhandlungen enden in einem Betrug. Aus den Trümmern könnte jedoch die starke Forderung nach einer echten Lösung erwachsen.

Wenn sich die politische Temperatur nicht schnell erhöht, wird sich die physische Temperatur erhöhen – und wir können uns von der jungen Frau aus Fiji verabschieden und von dem einzigen sicheren Klima das wir je kannten.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Reclaim Power

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Liebe Freunde,

die Klimaverhandlungen treten auf der Stelle oder laufen sogar rückwärts. Die USA und China sind nicht bereit über ihre bisherigen Zusagen hinaus zu gehen. Daher beginnen auch andere Parteien, wie beispielsweise die EU, zurückzurudern und ihre Minderungsziele aufzuweichen. In einem Entwurf für das Abkommen, der am Dienstag bekannt wurde werden keine Minderungsziele genannt. Außerdem gibt es nach wie vor keine Einigung über Ausgleichszahlungen an Entwicklungsländer. Die Industrienationen nutzen ihre Zeit vielmehr dazu Schlupflöcher in ein mögliches Abkommen einzubauen, die es ihnen erleichtern würden ihre Minderungsziele (die, wie beschrieben, viel zu niedrig sind) einzuhalten.

Daher und auf Grund dessen, dass die Staaten, die bereits vom Klimawandel betroffen sind (wie die kleinen Inselstaaten und die sogenannten Least Developed Countries) keine Stimme in den Verhandlungen bekommen, fand heute eine Demo mit dem Titel „Reclaim Power“ statt. Es ging darum auf den unfairen Prozess der Verhandlungen hinzuweisen. Außerdem geht es darum, dass in den Verhandlungen ausschließlich über „market-based solutions“, also marktbasierte Lösungen, gesprochen wird. Diese sind jedoch, wenn überhaupt, ein Teil der Lösung die wir brauchen. Es geht um klare Regulationen in vielen verschiedenen Bereichen (Energieeffizienz, Energieproduktion, Mobilität, Städteplanung....). Eine Abgeordnete der australischen Grünen sprach von einem „Whole System Approach“ (Gesamtsystem Ansatz), der nötig wäre um das Klimaproblem und den Wandel der sozialen und ökologischen Systeme zu lösen.

Die Demonstration verlief zunächst gut. Es wurden Ketten gebildet die den Demonstrationszug vor Eingriffen durch die Polizei schützen sollte. Die Stimmung war angespannt aber nicht aggressiv. Als der Zug jedoch den Eingang zum Bella Center erreichte und mit Polizeibarrikaden konfrontiert war kam schnell Bewegung in die Menge. Durch Schieben wurde versucht die Barrikaden zu durchbrechen. Das wurde jedoch durch Schläge mit Knüppeln und Pfefferspray von der Polizei unterbunden. Viele Demonstranten mussten behandelt werden, da ihre Augen mit Pfefferspray verklebt waren. Als klar wurde, dass an dieser Stelle kein Durchkommen zum Verhandlungszentrum war löste sich eine Gruppe aus der Menge. Diese versuchte mit einer aufblasbaren Brücke über den Wassergraben zu gelangen der die Demonstranten vom Bella Center trennte (laut neusten Zahlen haben es 5 Demonstranten auf die andere Seite geschafft, wurden jedoch sofort in Polizeigewahrsam genommen). Allerdings rückten in dem Moment von der anderen Seite Polizeikräfte auf und schlossen so den Kreis um die Demonstranten. Viele versuchten nun in die andere Richtung über Felder zur nächsten Bahnstation zu gelangen um nicht von der Polizei festgesetzt zu werden. Offensichtlich war die Strategie der Polizei den Ring um die Demonstration immer enger zu schnüren damit möglichst viele Demonstranten aufgeben und flüchten. Unsere Befürchtung ist, dass die verbliebenen Demonstranten festgenommen wurden. Bereits am Morgen wurden knapp 200 Menschen festgenommen die versuchten von der anderen Seite zum Bella Center zu gelangen. Außerdem gab es eine Solidaritätsbewegung von Menschen denen der Zutritt zum Bella Center gewährt worden war. So kamen die Verhandlungen kurzzeitig zum Erliegen da im Gebäude Sprechchöre für „Klimagerechtigkeit“ zu hören waren.
Insgesamt war die Demonstration ein deutliches Zeichen für ein faires Abkommen, das sich nicht nur um Marktmechanismen sondern um unsere Zukunft dreht. Leider wurde an der Polizeigewalt erneut deutlich, dass friedliches, ziviles Engagement nicht erwünscht ist. Bereits gestern wurde einer der Sprecher von Climate Justice Action, Tadzio Müller, (Mitorganisatoren der Demo) festgenommen, unter dem Vorwand des „Aufrufs zur Störung der öffentlichen Ordnung“.
Nun stellt sich für mich allerdings die Frage ob die „öffentliche Ordnung“ nicht viel mehr von den Industrienationen gestört wird, die ein faires, ambitioniertes und bindendes Abkommen unmöglich machen; einem Abkommen, das wirklich die Probleme der Anpassung an den Klimawandel, der Begrenzung der Emissionen und den Wandel zu einem neuen Energiezeitalter anpacken würde.
Nur so wäre die sogenannte „öffentliche Ordnung“ langfristig gesichert.

Hier einige Bilder von der Demonstration:
Clowns Army:
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System Change Not Climate Change:
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Polizisten in Kampfmontur:
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Hier noch ein Video mit Zivilpolizisten, die sich in den Demonstrationszug mischen um die Stimmung innerhalb der Demonstration zu manipulieren:

Dienstag, 15. Dezember 2009

Sie sollten das System jetzt ausschalten

Liebe Freunde,

wie vorgestern beschrieben, ist seit gestern der Zugang zum Bella Center quotiert. Daher haben Felix und ich gestern noch versucht unsere Chance wahrzunehmen und einen Blick auf das Innenleben des Riesenkomplexes zu werfen. Allerdings hat sich das als unmöglich erwiesen. Gestern waren insgesamt 45.000 Menschen im Bella Center. Ab dem frühen Morgen haben sich lange Schlangen am Eingang des Centers gebildet. Die Menschen haben teilweise bis zu 8 Stunden gewartet um Zugang zum Bella Center zu bekommen. Alle diese Leute sind jedoch offiziell zugelassen gewesen den Verhandlungskomplex zu betreten. Sie hatten allerdings noch kein sogenanntes „Badge“, welches zum Zugang berechtigt. Im Folgenden findet ihr einige Bilder der Schlange am Bahnsteig vor dem Bella Center.

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Seit heute dürfen nun tatsächlich 70% der eigentlich zugelassenen NGO Beobachter nicht mehr in das Verhandlungsgebäude. Daher haben sich verhältnismäßig viele am Landwirtschaftsaktionstag beteiligt. In einer Demonstration für andere, klimafreundlichere und fairere Anbaumethoden wurde auf das schädliche System der Essensverteilung und –produktion hingewiesen. Den Höhepunkt stellte ein Stop vor Netto dar. Hier wurden Transparente vor die Schaufenster des Discounters gehalten und kostenlos biologische Suppe verteilt. Auch hierzu noch mal einige Bilder:

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Leider lässt die Polizei, trotz der fast kompletten Sperre der Verhandlungen für externe Beobachter, nicht von ihrem repressiven Verhalten ab. Gestern wurde Christiania, der alternative „Staat“ innerhalb Kopenhagens von der Polizei gestürmt. Tränengas wurde auch in Gebäude verteilt. Es kam erneut zu Festnahmen. Dänemark und die Welt scheinen sich gegen öffentliche Beteiligung an den Entscheidungen für unsere Zukunft zu sperren. Sogenanntes „Public Engagement“ ist nicht erwünscht.

Gestern haben die sogenannten G77 (ein loser Bund von 77 Entwicklungs- und Schwellenländern) die Verhandlungen boykottiert. Sie sind, wie die Zivilgesellschaft, nicht einverstanden mit den Angeboten der Industrienationen. Die Verhandlungen laufen inzwischen weiter, weil das Boykott aufgehoben wurde. Es wird immer deutlicher, dass es den Industrieländern in den Verhandlungen darum geht möglichst niedrige Ziele zu verabschieden, die zusätzlich noch möglichst einfach erreicht werden können.
Mir persönlich wird langsam aber sicher klar, dass wir unter keinen Umständen darauf warten dürfen, dass ein neues Wirtschaftsabkommen für Globalisierung entsteht. Wir müssen selbst aktiv werden und mit unserem Leben und unserem Handeln die Struktur des Systems in dem wir leben verändern. Darauf zu warten, dass die Menschen, die von den vorhandenen Strukturen profitieren und sie teils selbst entworfen haben, ein Konzept entwerfen mit dem wir ernsthaft unsere Probleme anpacken können, scheint naiv.

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Montag, 14. Dezember 2009

Protest: Berechtigt und Wichtig!

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Liebe Freunde,

gestern habe ich etwas flapsig geschildert es hätte “Probleme“ zwischen dem Schwarzen Block und der Polizei gegeben. Dazu muss ich allerdings noch ein paar Anmerkungen machen.
Die Polizei hat nachdem auf der Demonstration einige Steine geflogen sind, den gesamten Bereich um den Schwarzen Block eingekesselt. Gestern wurden 968 Menschen verhaftet. Die Verhafteten mussten mehrere Stunden mit auf den Rücken gebundenen Händen in der Kälte sitzen. Auch heute gab es wieder viele Festnahmen.
Viele friedliche Demonstranten leiden unter dem repressiven Verhalten der Polizei. Eine Demonstrantin sagt:
“Natürlich sind wir wütend – überall auf der Welt empören sich Menschen darüber, dass sie von Regierungen belogen werden. Denn diese machen aus den Klimaverhandlungen ein Wirtschaftsabkommen. Wenn wir dagegen unseren Protest auf die Straße tragen, werden wir willkürlich festgehalten.”

Dazu kommt nun, dass aus „Sicherheitsgründen“ ab Dienstag der Zugang für Besucher zum Bella Center quotiert wird. Das Fassungsvermögen des Gebäudes ist jetzt bereits fast erreicht. Dazu kommt allerdings, dass auf diesem Weg viele Aktivisten, die für Mittwoch einen Boykott der Konferenz geplant haben, draußen gehalten werden.

Der Protest ist allerdings berechtigt und wichtig. Heute haben Wissenschaftler bekannt gegeben, dass die Verhandlungen schlecht laufen. Ein Abkommen in der geplanten Form würde zu ungefähr 8-12% Treibhausgasminderung führen. Um 2C Erwärmung zu erreichen müssten Minderungen von 25-40% erreicht werden. Der IPCC Wissenschaftler Thomas Stocker: „I think it is clearly not enough“.
Aus den Klimaverhandlungen wird ein Wirtschaftsabkommen gemacht , mit dem die Ziele, die wir erreichen müssen, nicht erreicht werden können.

Freitag, 4. Dezember 2009

Unsere Kleine Welt

Liebe Freunde,

wir wollen natürlich nicht, dass anstatt Lesen immer nur Glotzen angesagt ist wenn ihr unser blog anklickt. Aber jetzt dürft ihr euch trotzdem nochmal entspannt zurücklehnen und euch berieseln lassen. Von Zeit zu Zeit ist es nunmal an der Zeit, mit der Zeit zu gehen und auf modernste Technik, in Form von bewegten Bildern, zurückzugreifen.

Zunächst ein Film der im Rahmen eines Projektes, der Fakultät für Gestaltung, der Hochschule Augsburg, entstanden ist:



Außerdem empfehle ich im Folgenden einen Film mit dem Namen "Story of Stuff". Er erklärt den Weg der Güter, die wir täglich konsumieren und stellt dar warum diese "Geschichte der Güter" ein Problem für uns und diesen Planeten darstellt. Behaltet beim Genuß dieser bewegten Bilder bitte im Kopf, dass es sich hierbei um einen Film von Amerikanern für Amerikanern handelt. Die deutsche Version des Films ist in drei Teile geteilt:

Teil 1:


Teil 2:


Teil 3:


Die beiden Filme zeigen, wie ich finde, sehr gut wie wir, oft ohne uns bewusst darüber zu sein, in unserer kleinen Welt agieren. Für uns sind viele Dinge normal, die eigentlich nicht normal sein sollten. Der globale Produktkreislauf (oder vielmehr Produktsackgasse) ist nicht nachhaltig und schon gar nicht gerecht oder fair. Hoffentlich helfen die Filme dabei den Einen oder Anderen zu etwas bewussterem Konsum zu bewegen.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Besser Statt Mehr

Liebe Freunde,

gestern war ich bei dem ersten Symposium des "Denkwerk Zukunft" mit dem Namen "Besser Statt Mehr". Es waren unter anderem Harald Welzer und Tim Jackson als Redner anwesend, die bereits in dem Post Das Ende der Welt, wie wir sie kannten Erwähnung gefunden haben. Das Symposium im Umweltforum Berlin setzte sich wie die Veranstaltungen des anderen Beitrags mit einem Leben ohne (materielles) Wachstum auseinander. Erneut wurde an uns Bürger appelliert unabhängig von politischen Entscheidungen (Kopenhagen) selbst aktiv zu werden und unsere eigene politische Verantwortung aber auch und vor allem die Verantwortung für unser eigenes Leben, in die Hand zu nehmen.
Ein guter Anfang wäre zum Beispiel dem folgenden Link zu folgen und seine eigene persönliche CO2-Bilanz zu errechen:

Endlich Handeln

Ich war erstaunt wie viel es für meine CO2-Bilanz ausmacht, dass ich wenig regional und saisonal kaufe!

Meinhard Miegel, ehemaliger Mitarbeiter des Generalsekretärs der CDU (Kurt Biedenkopf) und heutiger Vorstand des Denkwerks Zukunft hat in seiner Abschlussrede des Symposiums sehr eindrückliche Worte gefunden, die ich hier gerne zitieren möchte:

„Die Vorstellung, dass das Wachstum der Wirtschaft und die Mehrung materiellen Wohlstands zumindest in den reichen Ländern zum Stillstand kommen oder sogar in ihr Gegenteil umschlagen könnten, ist vielen Menschen so zuwider, dass sie sich ihr verweigern. An so etwas, so heißt es, wollen wir gar nicht denken. Das wäre das Ende unserer Kultur. Die Menschen verlören die Grundlage ihrer Lebenszufriedenheit, die gesellschaftlichen Strukturen, vor allem der Sozialstaat, gerieten in Gefahr, viele könnten sich – enttäuscht – von der freiheitlich-demokratischen Ordnung abwenden, kurz: das gesamte wirtschaftliche, gesellschaftliche und staatliche Gefüge drohe zu kollabieren. Ein solches Risiko dürfe unter keinen Umständen eingegangen werden. Das Wohl und Wege dieser Gesellschaft hinge nun einmal an Wirtschaftswachtum und materieller Wohlstandsmehrung und folglich müssten diese unbedingt aufrecht erhalten werden.

Diese Argumentation ist einsichtig, hat aber eine entscheidende Schwäche: Sie hat einen Paradigmenwechsel nicht mit vollzogen. Anders gewendet: Sie verkennt, dass das vormalige Subjekt zum Objekt und das Objekt zum Subjekt geworden ist. Konkret: Hieß es vor 50, 40 und auch noch vor 30 Jahren, die westliche Wirtschafts- und Lebensweise stelle eine Bedrohung für die Umwelt und Natur sowie für den Mensch und Gesellschaft dar, so heißt es heute umgekehrt, dass eine überforderte und deshalb rebellisch gewordene Umwelt und Natur die tradierte Wirtschafts- und Lebensweise nicht länger zulasse. Die Frage, ob wir weiter leben wollen wie bisher, stellt sich also gar nicht. Zu fragen ist vielmehr, wie wir unter veränderten Bedingungen leben können.“

Donnerstag, 26. November 2009

Das Ende der Welt wie wir sie kannten

Liebe Freunde,

Ich habe gestern an einer Onlinekonferenz (von Earthscan) teilgenommen. Sie trug den Titel „An Economy Fit For the Low-Carbon World“. Es ging also darum wie eine Ökonomie zu entwickeln wäre, die klimaneutral oder nah daran funktionieren könnte.
Heute fand in Berlin die Utopia Konferenz 2009 statt. Utopia.de ist Deutschlands größte Internet-Community für nachhaltigen Lebensstil. 50000 Utopisten sind auf der Seite registriert und diskutieren Lösungen für unsere Zukunft.

Beide Konferenzen blasen grundsätzlich ins gleiche Horn. Das System des unendlichen Wachstums muss/wird ein Ende haben.

Das ist allerdings vermutlich falsch formuliert. Vielmehr geht es darum „Wachstum“ und „Wohlstand“ anders zu definieren.
Was wäre wenn Wachstum nicht mehr automatisch ökonomisches Wachstum bedeuten würde? Wachstum könnte auch bedeuten ein Mehr an Kooperation, an Zeit, an Innovation, an Lernen....
Robert Costanza (Professor für ökologische Ökonomie und Leiter des Gund Instituts für ökologische Ökonomie an der University of Vermont) sagt: „ökonomisches Wachstum ist unökonomisch wenn es kein Wohlbefinden schafft“. Daher meint er, dass es Wohlstand ohne ökonomisches Wachstum zu erreichen gilt.
Und was bedeutet basierend darauf dann Wohlstand? Für Tim Jackson (Sustainable Development Commission) muss Wohlstand bedeuten, dass „menschliche Lebewesen sich auch wirklich als solche entfalten können“. Tim Jackson ist Autor des Buches "Prosperity without Growth"

Einer der Sprecher bei der Utopia Konferenz in Berlin war Prof. Dr. Harald Welzer (Sozialpsychologe). Er hielt einen Vortrag mit dem Thema „Die großen Hebel“. In seinem Vortrag schilderte er die Funktionsweise unseres Systems. Seiner Meinung nach war das westliche System so erfolgreich, weil es den Rest der Welt als Treibstoff nutzen konnte. Das System das eigentlich immer nur als partikulares System gedacht war ist inzwischen allerdings globalisiert. Das bedeutet für das einzelne kleine System natürlich, dass es keinen „Rest der Welt mehr gibt“ und damit auch keinen Treibstoff mehr. Laut Welzer ist die Problemlösung der Wirtschaft: „Ignorieren. Wir nehmen Kredite auf bei kommenden Generationen“. Utopisches Handeln ist deshalb realistischer als Realpolitik , weil wir so nicht weiterleben können:
„Das, was sich gegenwärtig als Realpolitik verkauft, ist völlig illusionär, weil es nicht ein einziges der Zukunftsprobleme - Klimawandel, schwindende Ressourcen, wachsender Wasser- und Nahrungsmangel, Ansteigen des globalen Konfliktpotenzials und Raubbau an der Zukunft unserer Kinder - bearbeitet.“

Welzer hat zusammen mit Claus Leggewie das Buch "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten: Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie" geschrieben.
Sie fordern die Bürgergesellschaft auf ihr politisches Mandat wahrzunehmen und selbst aktiv zu werden. In einem taz-Interview erklären sie den Titel ihres Buches: „ Das ist ein wunderbarer Titel, den wir wenig modisch von REM geklaut haben. Der Refrain "It's the end of the world as we know it" geht weiter: "and I feel fine". Wir sind auch froh, wenn die Welt, wie wir sie kannten, am Ende ist. “

Wer sich das Lied gerne einmal anhören würde: It's the end of the world as we know it (and I feel fine)

Liebe Grüße,
lasst es uns anpacken! Wir brauchen die APO 2.0 (Begriff von Welzer)!

Nico

Quellen:
Klimaschutz APO gefordert
Wir lebenauf Kosten der Zukunft
Ja, wir wollen die Welt verbessern
An Economy Fit for a Low Carbon World – The Pre-COP Earthcast with Tim Jackson