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Freitag, 19. Februar 2010

Robin Hood Steuer

Liebe Freunde,

es ist schon eine Weile her, dass ihr von Klimaxikon gehört habt. Mir bleibt momentan leider sehr wenig Zeit für das Blog, aber heute ist es mal wieder soweit. Ich bin kürzlich über ein Video gestolpert. Es ist nur 3:25 Minuten lang und auf englisch. Sein Name: Robin Hood Tax. Weil ich die Idee dahinter gut finde war ich schon wieder kurz davor Untertitel dafür zu fabrizieren, aber dann hat das Kampagnenbündnis Steuer gegen Armut: Transaktionssteuer am Dienstag einen eigenen Spot mit Heike Makatsch und Jan Josef Liefers veröffentlicht.
Teil des Bündnisses sind viele verschiedene Organisationen darunter Vertreter der Kirchen, Gewerkschaften, NGOs, Banken und Wissenschaft (Adveniat, Ärzte für die Dritte Welt, Attac, Jesuitenmission, DGB, EED, Medico International, Misereor, Oxfam, VENRO Welthungerhilfe).
Die Kampagne fordert die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen. Dies soll bewirken, dass kurzfristige Spekulationen unrentabel werden, jedoch mittel- und langfristige Investitionen nicht behindert werden. National würde die Steuer ein- bis zweistellige Milliardenbeträge generieren. International sollen sich die Beträge im dreistelligen Bereich bewegen. Abgesehen von den stabilisierenden Auswirkungen auf unseres wackligen Finanzsystems würde Geld, das eigentlich nur zur Gewinnmaximierung genutzt wird, verfügbar für Armutsbekämpfung und Klimaschutz.
Hier die beiden Videos auf deutsch und englisch:





Hier kann man die Online-Petition unterschreiben:
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Montag, 25. Januar 2010

300 Tonnen Kunstschnee gegen den Klimawandel

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Liebe Freunde,

letztes Wochenende fand die Schneemann-Demo, am Schlossplatz, in Berlin statt. Die „Demo“ war bereits zweimal Thema auf Klimaxikon und ich möchte jetzt noch einmal darauf eingehen, um noch einige, interessante Details über die Demo, zu erwähnen.
Die sogenannte „Demo“ war nicht als Demonstration angemeldet. Heidi Klein von Lobby Control sagt: „Der Demobegriff wird missbraucht, wenn Menschen denken, sie gehen auf eine Protestveranstaltung und bekommen dafür ein Werbe-Event“. Auf Demonstrationen ist es tatsächlich selten, dass man von Hostessen empfangen wird, die grinsen (ein bisschen wie Westerwelle) und Broschüren verteilen. Aber nicht nur das, die Werbekampagne ist, wie das eine gute Werbekampagne mit viel Geld im Hintergrund immer ist, durchorganisiert bis ins letzte. Weil es „um die Sache geht“, hätte die Aktion auch bei 10 Grad plus stattgefunden, äußerte sich eine Vertreterin der Werbeagentur, die das Event organisiert hat. Wie das möglich ist? Man ließ am vergangenen Wochenende 300 Tonnen Kunstschnee auf dem Schlossplatz produzieren.
Kunstschnee gegen den Klimawandel! Da hat jemand verstanden was jetzt, in Zeiten des Klimawandels, nötig ist: Werbung mit den Ängsten und den Emotionen der Menschen. Das funktioniert und alles was funktioniert um Gewinn zu machen ist richtig, egal ob es am Ende in irgendeiner Form Sinn für unser Klima und diesen Planeten macht. Beängstigend oder?
Ralf Schmerberg, ein Filmemacher, der jetzt drei Jahre lang seine grauen Zellen anstrengen darf, um Werbekampagnen für Entega zu entwerfen und aus dessen Gedankencenter auch die Schneemannkampagne entsprungen ist, meint dazu:
„Kunstaktion, Demonstration oder PR – ist doch scheißegal“.
Dass genau das nicht scheißegal ist, sondern eine entscheidende Rolle spielt, muss bald in unserer Gesellschaft ankommen, sonst werden wir nicht nur Kunst und Aktivismus durch Werbung und Konsum zerstören. Mit den Gefühlen und echten Ängsten, der Menschen zu spielen und daraus Profit zu schlagen, wird auf kurz oder lang in der Sackgasse enden. Wenn sogar existentielle Gefühle instrumentalisiert werden, verlieren die Menschen das Vertrauen in alles was sie umgibt und resignieren früher oder später.
Demo, Kunstaktion oder PR ist NICHT scheißegal.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Soziale Banken

Liebe Freunde,

heute möchte ich mich weit aus dem Fenster lehnen und über Banken berichten.
Wir sind/waren alle entsetzt über die Finanzkrise. Zum Glück sind wir/unsere Regierung der Lage schnell Herr geworden. Zum Beispiel wurde die HypoRealEstate gerettet. Das hatte sie auch bitter nötig. Notleidende Banken brauchen unsere Unterstützung, deshalb haben wir uns die HRE auch ein nettes Sümmchen kosten lassen: mindestens 135 Mrd. Dollar (2008/2009). Im Vergleich dazu: die gesamte Entwicklungshilfe der 22 Geberländer betrug 2007 104 Mrd. Dollar. Unbeschreibliche Summen finanzieren unbeschreibliche Ungerechtigkeit. Die Strukturen, die vor dem großen Crash herrschten, sind jedoch bei Weitem nicht gebrochen. Die Banken spekulieren und verspekulieren fröhlich weiter.
Ein charismatischer 36 Jähriger Belgier hatte eine Idee. Wenn es keine Banken gibt, die transparent agieren und sich für sinnvolle Dinge einsetzen, dann gründe ich eben eine. Genau das hat er auch getan, die noa bank. Die noa bank versteht sich als soziale Bank, mit hohem ethischen und ökologischen Anspruch. Transparenz spielt bei der noa bank eine große Rolle. Der Sparer kann zwischen verschiedenen Themenfeldern wählen in denen sein Geld angelegt werden soll: Region, Planet, Leben und Kultur. Unter "Region" verbergen sich regionale Förderansätze in den einzelnen Bundesländern. Über "Planet" wird in erneuerbare Energien, biologische Landwirtschaft und ökologische Bauwirtschaft investiert, bei "Leben" in Krankenhäuser, Laboratorien, Altenheime oder Behinderten-Einrichtungen. Und wählt man "Kultur", so unterstützt man Künstler und Kultureinrichtungen.
Bei der noa bank sind Tagesgeld (2,2%), ein Festgeld (bis zu 3%) und ein kostenloses Girkonto an. Ich habe noch keinen Nachteil gefunden, außer dass über die Staatsgarantie von 50000 Sicherung je Kunden, keine zusätzlichen freiwilligen Sicherungen vorhanden sind. Für mich persönlich spielt das erstmal keine soo große Rolle, aber es soll Leute geben für die das wichtig ist.
Die noa bank ist natürlich nicht die einzige sogenannte „social bank“. Andere ethische und ökologische Anbieter sind die Ethikbank, die Umweltbank und die GLS Bank. Andere Konzepte, wie beispielsweise smava setzten auf direktes Geld leihen bzw verleihen zwischen Menschen. Insgesamt gibt es eine Fülle an Angeboten, um die Anlage seines Geldes besser zu kontrollieren und mit zu entscheiden wofür, das Geld, das man irgendwo ablegt eigentlich benutzt wird. Natürlich sollte man sich, bevor man voll und ganz seine Bank wechselt ausreichend informieren. Ich habe die noa bank herausgepickt, weil sie relativ neu ist und wie ich finde ein vielversprechendes Konzept hat. Aber bitte weist mich auf andere Anbieter oder Tücken über die ihr stolpert hin. Insgesamt ist der Ansatz bewusster Geld zu verleihen und sicher zu gehen, dass damit keine Umweltzerstörung, Hunger oder Kinderarbeit in einer virtuellen Geldwelt finanziert wird, ein sehr guter.
Hier noch das „Werbevideo“ zur noa bank:

Mittwoch, 20. Januar 2010

Greenwashing

Liebe Freunde,

der Greenwashing-Kampagne von Entega wurde noch einmal eins oben drauf gesetzt. Um das grüne Image auszubauen und Familien von sich zu überzeugen, wurde nicht nur die Schneemann-Demo (übrigens ist die Idee dafür von den Klimaschützern von „Kohle nur noch zum Grillen“ abgekupfert, die letzten Winter die gleiche Aktion gemacht haben: Schneemann-Proteste greifen um sich...) organisiert, es ist zusätzlich ein Kinderbuch gedruckt und online veröffentlicht worden: „Die Geschichte vom weinenden Schneemann“. André, der mich auf den Ökobetrug von Entega aufmerksam gemacht hat, formuliert diese Strategie so: „Sie wollen die Kinder“. Um Familien zu einem Stromwechsel zu den netten, grünen Ökofreunden von Entega zu bewegen, wird eine Verbindung mit den kleinsten aufgebaut: clever!
Wenn ihr auf das Bild klickt, könnt ihr euch das Buch zu Gemüte führen. Dabei ist zu beachten, dass unter jedem Bild (außer das Titelbild) von schlauen Menschen, von Utopia-Watchblog, die Kommentarfunktion für kritische Bemerkungen genutzt wurde.
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Die Idee des Greenwashings ist eine Strategie, um von eigenen Fehlern abzulenken oder diese sogar zu legitimieren bzw. für sich zu instrumentalisieren. Grundsätzlich ist dieses Konzept wirtschaftlich gesehen überhaupt nicht verwerflich. Eine Firma versucht sich rein zu waschen und mehr Geld zu verdienen. So funktioniert das System. Wer darauf reinfällt (so wie ich kürzlich) ist selbst Schuld. So oder so ähnlich muss der Argumentationsstrang eines Marketingbeauftragten (oder wer auch immer so etwas in einer Firma entscheiden darf) aufgebaut sein. Allerdings versetzt mich allein die Möglichkeit, dass Menschen bewusst Falschinformationen (bzw. Informationen in denen wesentliche Aspekte verschwiegen werden) als Werbung verbreiten, um an nichtsahnenden anderen Menschen zu verdienen, in Verzweiflung. Diese Empfindung wird noch gesteigert, wenn man sich vor Augen führt, dass beschriebene nichtsahnende Menschen, durch solche Taktiken, dazu getrieben werden, ihren Kindern und Enkelkindern zu schaden und den Weg in ein nachhaltiges, funktionierendes System zu verbauen. Meinem Verständnis von Gerechtigkeit nach zu urteilen, müsste ein solches Verhalten geahndet werden. Es gibt Menschen, die zum Beispiel wegen „Anstiftung zum Mord“ verurteilt werden oder wegen „unterlassener Hilfeleistung“. Aber was ist mit Menschen die andere Menschen ohne ihr Wissen dazu instrumentalisieren Dinge zu tun, die für ihre eigenen und andere Kinder bedeuten können: schlechter leben zu müssen als ihre Eltern, Angst um Nahrung, Wasser und andere Ressourcen zu haben, Kriege zu erleben... ist so etwas dann „Anstiftung zum Mord an Vielen“?

Letzten Sommer wurde in Berlin, mit großen Plakaten, Werbung für Atomkraft gemacht. Der sogenannte Informationskreis KernEnergie rühmte auf diesen Plakaten den „Klimaschützer der Woche“. Hierbei handelte es sich um Kernkraftwerke, die nach Aussage des Informationskreises, einen CO2-Ausstoß von „Null“ haben. Ich will an dieser Stelle nicht in die Details gehen, aber es ist falsch, dass die Stromproduktion mit Kernenergie keinen CO2-Ausstoß zur Folge hat. Die anderen Konsequenzen, die Kernenergie grundsätzlich mit sich bringt, werden auf den Plakaten selbstverständlich vollends verschwiegen. Ein findiger Mensch hat auf eines der Plakate ein Radioaktivzeichen gemalt, um zu verdeutlichen, wie gefährlich Kernenergie ist und auf das „Greenwashing“ der Atomlobby hinzuweisen.

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Unter folgendem link stellt die Verbraucherschutzzentrale ein Online-Formular bereit um Werbung mit Klimaschutzargumenten zu melden.
Werbung melden
Die Verbraucherschutzzentrale sammelt Werbung mit Klimaschutzargumenten, um gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten zu können. Wir können also, wie derjenige, der das Radioaktivzeichen gemalt hat, dazu beitragen, dass Konzequenzen gezogen werden, wenn Greenwashing um sich greift.

Hier außerdem ein Interview mit Katja Mrowka von der Verbraucherschutzzentrale:
Produktwerbung zwischen Wahrheit und Täuschung

Montag, 18. Januar 2010

Nachtrag: Schneemann-Demo

Liebe Freunde,

ich wurde soeben in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass die Schneemann-Demo die nächstes Wochenende stattfindet von Entega veranstaltet wird.
Entega ist ein sogenannter Ökostromanbieter. André hat mich in einem Kommentar zu diesem Post darauf hingewiesen, dass Entega ein Schummelanbieter ist und versucht Kapital aus sogenanntem Klimaschutz zu schlagen. 2008 war Entega für den Preis "Die Grüne Tomate" nominiert. Der Preis wird an Firmen vergeben, die "Grünfärberei" oder "Greenwashing" betreiben und dem Bürger Dinge vermitteln, die zwar nicht gelogen sind, jedoch nicht dem entsprechen, was man normalerweise dahinter erwarten würde.
Schummelstromanbieter Entega erneut auf Utopia

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Leider bin ich der Sache auf den Leim gegangen und habe sogar dafür Werbung gemacht. Ich danke André dafür, dass er mich darauf aufmerksam gemacht hat. Das ist es, was dieser Blog leisten soll. Es soll ein Dialog zwischen Menschen entstehen, die sich Gedanken machen um die Zukunft, um Klimaschutz und Umweltschutz im Allgemeinen, um das System (sozial, politisch, wirtschaftlich) und was damit passieren soll bzw. was damit passieren kann, wenn wir es wollen. Das habe ich bereits im ersten Post angekündigt und das ist auch immernoch so. Ich freue mich wenn ich kritisiert oder verbessert werde, weil wir nur alle gemeinsam schlauer werden können. Ich hätte es bis zum kommenden Wochenende nicht gemerkt, dass etwas faul ist an der Demo und dem Veranstalter. Ich fand schlicht die Idee gut, Schneemänner mit einer guten Message dahinschmelzen zu lassen. Also vielen Dank nochmal für die Beteiligung und die Aufklärung.

Donnerstag, 14. Januar 2010

You can't have infinity

Liebe Freunde,

Kopenhagen liegt inzwischen bereits einen Monat zurück. Die Medien haben das Thema verwunden und damit hat das Thema global massiv an Bedeutung verloren. Die Probleme die auf uns zukommen sind nicht ansatzweise gelöst. Im Gegenteil: es werden Wachstumsbeschleunigungsgesetze und Schattenhaushalte diskutiert, die genauso wie die momentane Klima- und Umweltpolitik zu lasten der kommenden Generationen gehen. Harald Welzer und Claus Leggewie schreiben in ihrem Buch „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“: „An wirtschaftlichen Stellschrauben zu drehen, wie in Konjunkturprogrammen und umweltpolitischen Reparaturmaßnahmen, gleicht dem Austausch eines defekten Wasserhahns in der Ersten-Klasse-Kabine der Titanic, nachdem sie den Eisberg gerammt hat.“
In anbetracht dieser Situation, möchte ich noch einmal an unsere Zeit in Kopenhagen erinnern, die geprägt war, von Repression durch die Polizei und Verhandlungen, die bewusst am Ziel vorbei geführt wurden. Allerdings nicht nur. Sie waren auch geprägt von friedlichen Demonstrationen und der Entstehung einer globalen Bewegung. Diese Bewegung fordert „System Change not Climate Change“ (Systemwandel nicht Klimawandel) und „You can’t have infinity“ (Ihr könnt keine Unendlichkeit haben). In der beschriebenen globalen Bewegung, die in Kopenhagen spürbar vorwiegend aus jungen Menschen bestand, werden die Dinge diskutiert, die wirklich eine Lösung wären: kein unendliches Wachstum, dezentrale, erneuerbare Energieversorgung, regionale und saisonale Ernährung, Alternativen zur fossilen Mobilität (Auto, Flugzeug), .... Lösungen, die alle dem Anspruch nach Unendlichkeit, Unbegrenztheit und Endlosigkeit widersprechen.
Leggewie und Welzer: „Das unausgesprochene, aber rigoros praktizierte Motto lautet: Unsere Kinder sollen es einmal schlechter haben als wir!“

Ich habe versucht unsere Eindrücke und die Atmosphäre, die wir in Kopenhagen erlebt haben, in einem Filmchen aus Fotos und Videoschnipseln, darzustellen. Für diejenigen von euch, die eine viertel Stunde Zeit haben:

Kopenhagen COP15 2009 from Info Klimaxikon on Vimeo.

Schneemann-Demo

ACHTUNG:
Ich habe übersehen wer die Demo veranstaltet: Entega, ein sogenannter Ökostromanbieter. André hat mich in einem Kommentar zu diesem Post darauf hingewiesen, dass Entega Schummelanbieter ist und versucht Kapital aus sogenanntem Klimaschutz zu schlagen. 2008 war Entega für den Preis "Die Grüne Tomate" nominiert. Der Preis wird an Firmen vergeben, die "Grünfärberei" oder "Greenwashing" betreiben und dem Bürger Dinge vermitteln, die zwar nicht gelogen sind, jedoch nicht dem entsprechen, was man normalerweise erwarten würde.
Schummelstromanbieter Entega erneut auf Utopia


Liebe Freunde,

gerade habe ich feststellen dürfen, dass vom 22.-24. Januar in Berlin eine Demonstration gegen den Klimawandel bzw. für entschiedenes Handeln stattfindet. Allerdings bin ich, wie ihr vielleicht auch, erstmal stutzig geworden, weil ich mir nicht ganz erklären konnte wie, bei einem so knackigen, schneeweißen Winter, wie wir ihn in Berlin schon eine Weile nicht mehr hatten, drei Tage lang demonstriert werden soll. Das kann nicht gesund sein.
Dann wurde mir jedoch einiges klar: für die Demonstrationsteilnehmer kann es nicht kalt und schneeweiß genug sein. Es handelt sich um Schneemänner.

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Wer also nicht nur Spaß am Schneemänner bauen hat, sondern seinem Schneemann gleich nach seiner Entstehung zur Inanspruchnahme seines Demonstrationsrechts verhelfen will, der finde sich innerhalb der genannten drei Tage in Berlin am Schlossplatz ein und erwecke seinen eisigen Kollegen zum Leben. Wem es aufgrund von Entfernung, Krankheit oder ähnlichen widrigen Umständen verwährt bleibt, an der Aktion teilzunehmen, kann sich trotzdem kreativ aus der Ferne einbringen. An folgende email-Adresse könnt ihr Plakattexte für die Demonstrationstransparente der Schneemänner einsenden: entega@schneemann-demo.de
Die Schneemänner mit den kreativsten Transparenten, werden später auf Utopia.de in einer Bildergalerie zu sehen sein.
Ansonsten baut doch einfach einen Schneemann bei euch im Garten, vielleicht auf einem Plastikliegestuhl mit Cocktail in der Hand und Sonnenbrille auf der Nase und schickt sonnige Schneemannsgrüße aus dem Süden, oder wo ihr grade seid.

Samstag, 9. Januar 2010

The girl who silenced the world for 5 minutes

Liebe Freunde,

ich möchte heute nochmal ein Video loswerden, zu dem ich auch gar nicht viele Worte verlieren will. Das Video ist schon sehr alt (18 Jahre). Es wurde 1992, in Rio de Janeiro, Brasilien, aufgenommen. Ein Mädchen, Severn Cullis-Suzuki, spricht im Alter von 12 Jahren zu den Vereinten Nationen. Sie war in einer Kinder-Umweltschutzorganisation (Environmental Children's Organization (ECO))und sagt:

"Mein Vater sagt immer: Du bist was du tust, nicht was du sagst. Nun, was ihr tut, bringt mich Nachts zum Weinen. Ihr Erwachsenen sagt ihr liebt uns, aber ich fordere euch auf: Bitte! Lasst euer Handeln euren Worten folgen!"

Ich denke das Video erzeugt bis heute eine beklemmende Stille. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Severn inzwischen 30 Jahre alt ist.
Das Video ist auf Englisch, da Severn Kanadierin ist, aber ich habe eine Version mit deutschen Untertiteln gefunden:

Freitag, 8. Januar 2010

Die Anderen

Liebe Freunde,

heute gibt es nur einen kurzen Videotip. Laura, eine Kommilitonin von Felix, hat mich heute darauf hingewiesen, dass sie für eine Agentur gearbeitet hat, die mit Kurzfilmen versucht Menschen für Umwelt- und Klimafragen zu sensibilieren. Das Gesamtkonzept ist wirklich sehr interessant:
Das "Grundverständnis [von Freiland Kommunikation] ist es, dass jedes Mitglied dieser Gesellschaft, jede Person, Institution, jedes Unternehmen Verantwortung übernehmen sollte."
Menschen mit Kurzfilmen anzusprechen, die eindrucksvolle Botschaften künstlerisch und oft ironisch verpacken, ist im Web 2.0- und iPhone-Zeitalter das Mittel der Wahl um Aufmerksamkeit zu erregen und etwas zu bewegen.
Hier nun einer der Kurzfilme: "Die Anderen". Der Film hat den Klimapreis 2009, des 30. Internationalen Festival der Filmhochschulen in München, gewonnen.



Wer gerne noch mehr Kurzfilme dieser Art gucken will, folgt bitte einfach diesem Link:
Freiland Kommunikation Filme

Mittwoch, 6. Januar 2010

Klimaschutzsuchmaschinen

Liebe Freunde,

man stößt ja des Öfteren über Hinweise darüber, wie viel CO2 oder Energie eine Google-Suchanfrage verschlingt. Vor einiger Zeit gab es die Theorie, dass eine Google-Suche so viel Energie kostet, wie Wasser für eine Tasse Tee zum Kochen zu bringen. Etwas wildere Zahlen besagen sogar, dass eine einzige Suchanfrage soviel Energie verbraucht, wie eine Sechzig-Watt-Glühbirne pro Stunde. Diese Zahlen sind inzwischen wohl widerlegt, jedoch auch anerkannte Wissenschaftler berechnen den Energieverbrauch einer Suchanfrage auf vier Watt pro Stunde. Das sind umgerechnet 2 Gramm CO2 Ausstoß. Dies wiederum entspricht ungefähr dem Verbrauch einer Energiesparlampe pro Stunde.
Wieviel es auch immer ist, jede Suchanfrage bei Google, Yahoo, Bing oder wie sie nicht alle heißen kostet einiges an Energie:
Der eigene Computer verbraucht natürlich Strom. Der Server der Suchmaschine verbraucht Strom, während er berechnet was er anzeigen muss. Zusätzlich verbraucht die Netzwerkinfrastruktur der jeweiligen Suchmaschine Strom und zusätzlich die Server, auf denen all die Informationen, die von der Suchmaschine abgefragt werden, gespeichert sind. Alles in allem kann man also sicher sagen: Im Internet surfen verbraucht Energie und das nicht zu knapp.

Heute durfte ich herausfinden, dass es durchaus sinnvolle Lösungen gibt CO2 neutral zu surfen oder sogar Projekte zur Aufforstung des Regenwalds damit zu fördern. Das mag auf den ersten Moment seltsam klingen, aber es ist tatsächlich so. Wie funktioniert da? Jede Suchmaschine verdient ihr Geld mit Werbung die an der Seite abhängig von der Suchanfrage eingeblendet wird. Das Konzept dahinter nennt sich „personalisierte Werbung“. Google ist Spezialist auf diesem Gebiet und verdient damit Milliarden. Die Einnahmen die mit Werbung auf einer Suchmaschine verdient werden, können allerdings auch anders eingesetzt werden als ausschließlich zur Gewinnmaximierung. Dies machen sich verschiedene Suchmaschinen mit relativ ähnlichen Konzepten zu Nutze und fördern mit dem Geld den Schutz der Natur oder den Energiewandel.
Der folgende Link liefert, etwa in der Mitte des Artikels, eine gute Übersicht über Suchmaschinen, die sich Umwelt- oder Klimaschutz zur Aufgabe gemacht haben:
Per Mausklick zum Klimaschutz?

In der Auswahl auf der Seite von „heute“ wird eine Auswahl von 9 Suchmaschinen kurz beschrieben. Ich habe sie mir angeguckt und meine Favoriten gewählt.

Zunächst ist „Treehoo“ zu nennen. Das interessante an Treehoo ist, dass die Seite ihren eigenen Suchalgorithmus verwendet. Sie ist somit in keiner Weise abhängig von Google, Yahoo oder Bing. 50% der Einnahmen fließen in die Aufforstung von Wäldern. Der Nachteil, der zumindest mir als langjähriger Google-Nutzer aufgefallen ist. Die Suchergebnisse sind zumeist nicht so hilfreich, wie ich das sonst gewohnt war. Außerdem muss man sich an ein neues Erscheinungsbild der Ergebnisse gewöhnen.

Für Leute, die ähnlich wie ich, an den Google-Suchergebnissen hängen empfehle ich „Znout“. Die Seite kooperiert mit Google und zeigt die normalen Google-Suchergebnisse. In Summe werden bei jeder Suche mit Znout circa 10 Wattstunden oder 5 Gramm CO2 zu einem Gesamt-CO2-Fußabrdruck hinzugerechnet. Am Ende jeden Monats wird die so ermittelte CO2 Menge zusammengezählt und ein Äquivalent an Zertifikaten für erneuerbare Energien gekauft. So wird nachträglich der CO2-Ausstoß durch die Förderung von Erneuerbaren Energien gefördert.

Ebenfalls zu empfehlen ist „Ecosia“. Ecosia kooperiert mit Yahoo und Bing. Sowohl die Suchergebnisse als auch die Werbung kommen von diesen beiden Suchmaschinen. 80% der Einnahmen von Ecosia werden an den WWF übergeben, der damit Projekte zum Schutz des Regenwalds. Wer also sowieso Yahoo oder Bing nutzt ist auch wirklich gut mit dieser Suchmaschine beraten.

Um alle Suchmaschinen genauso praktisch zu nutzen wie Google, Yahoo oder Bing können sie auch in den Browser integriert werden, sodass das Suchfeld rechts oben direkt die jeweilige neue Suchmaschine nutzt. In folgendem Video wird Ecosia und das Konzept dahinter näher erklärt, aber auch wie man es als Standardsuchmaschine in den Internetbrowser integriert werden kann. So oder so ähnlich funktioniert das auch mit den anderen oben beschriebenen Suchmaschinen.



So dann bleibt nurnoch zu sagen. Viel Spaß beim Surfen. Probiert es doch einfach mal aus....

Dienstag, 5. Januar 2010

Echter Ökostrom

Liebe Freunde,

jetzt haben wirs geschafft. Das neue Jahr hat begonnen. 2010 klingt genauso komisch, wie 2009 nach dem letzten Jahreswechsel klang und 2008 nach dem davor. Irgendwie ist es immer ein seltsames Gefühl wenn man plötzlich ein anderes Datum oben rechts auf den Brief schreiben muss. Außerdem wird immer an Silvester offensichtlich wie schnell die Zeit vergeht. Viel zu schnell. Das sagt mir nicht nur mein Rücken, der trotz meiner blutjungen Mitzwanziger immer öfter Zicken macht. Das merkt man auch an anderen Dingen. Zum Beispiel wäre ein Außenminister Westerwelle noch vor einem Jahrzehnt undenkbar gewesen. Schwuppps: Zeit vergeht und schon.... Tatatataaaa! Da ist er und er fühlt sich unglaublich wohl und grinst als gäbe es kein Morgen mehr. Außerdem gibt es jetzt Wachstumsbeschleunigungsgesetze oder Regelungen, die bewirken, dass fahrtüchtige Autos auf Kosten unserer und der zukünftigen Generation verschrottet werden oder Herr Rüttgers entwickelt Ideen (zusammen mit der „Klimakanzlerin“), die es ermöglichen trotz Klimawandel, abschmelzenden Polkappen, Bodenversauerung und Meeresspiegelanstieg neue Kohlekraftwerke zu bauen.... die Liste ist lang.
2010 ist, zumindest klanglich, wesentlich näher an 2015 (globale Emissionen müssen ihren Höhepunkt erreichen) oder 2020 als es 2009 war. Die Zeit wird knapper und wir müssen selbst in die Hand nehmen, dass es noch ein paar Neujahrswünsche in unserem Leben gibt, die man mit angenehmen Erinnerungen verbindet. Ein Beispiel um das zu tun ist den Atomausstieg selbst in die Hand zu nehmen und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln.
Bereits nach meinem ersten Post auf Klimaxikon ist eine Diskussion darüber entstanden, welches der richtige Anbieter ist und welche Projekte förderungswürdig sind und welche nicht.

Ich habe gestern als ich ausgehungert in Berlin angekommen bin als erstes einen sehr leckeren vegetarischen, dänischen Hot Dog im Hot-Dog-Laden meines Vertrauens um die Ecke gegessen und da eine Auslage gesehen die meine Aufmerksamkeit erregt hat: „Echter Ökostrom: Volksentscheid – zukunftsfähige Energie oder Kohle, Öl & Atom?“.
Zunächst dachte ich natürlich es geht wirklich um einen Volksentscheid, bis mir klar wurde, dass es darum geht, dass jeder Mensch sowieso selbst entscheiden kann welcher Stromanbieter ihn mit Strom versorgt. Also so gesehen der Inbegriff eines Volksentscheides, wenn man seine Chance beim Schopfe packt.

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In den obigen Bildern (aus der Broschüre aus dem Hot-Dog-Laden) ist für die vier deutschen Ökostromanbieter aufgeschlüsselt woher sie ihren Strom beziehen. Insbesondere ist hiebei darauf zu achten, dass 2 von ihnen nämlich Naturstrom und Elektrizitätswerke Schönau Neuanlagen fördern, was Greenpeace Energy und Lichtblick nicht tun. Außerdem ist wichtig zu erwähnen, dass Naturstrom der einzige Anbieter ist, der nicht auf die Umlage durch das Erneuerbare Energien Gesetz zurückgreifen muss. Dies ist so, weil über 50% des Stroms von Naturstrom aus kleinen & mittleren Kraftwerken in Deutschland kommt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Kosten pro Kilowattstunde bei Naturstrom niedriger ist als bei allen anderen Anbietern (19,90cent). Obwohl hier bereits 1,25cent Neuanlagen Förderung enthalten sind.
Ein weiterer Vorteil von Naturstrom ist, dass tatsächlich ausschließlich erneuerbare Energien in den Mix kommen. Bei EWS wird Erdgas mit Kraftwärmekopplung und bei Greenpeace Energy Biomasse genutzt. Beides ist nicht hundertprozentig das Gelbe vom Ei.
Insgesamt bleibt zu sagen, dass Naturstrom am empfehlenswertesten ist, EWS und Greenpeace Energy sind ebenfalls zu empfehlen wohingegen Lichtblick der Ökostromanbieter mit am wenigsten Ökostrom im Energiemix ist.

Für mehr Informationen zu allen Anbietern einfach auf das Bild klicken:

Echter Ökostrom

Außerdem hier der direkte Link zu den Vertragsformularen der Anbieter:
Stromanbieter jetzt Wechseln

Dienstag, 22. Dezember 2009

In was für einer Welt leben wir und wie geht es weiter?

Liebe Freunde,

Matthias, ein sehr guter Freund von mir hat in einer zusammenfassenden email an seine Freunde und Familie die Ereignisse und seine Erlebnisse in Kopenhagen geschildert. Ich fand seine Schilderungen und Schlußfolgerungen so eindrucksvoll und wichtig, dass ich ihn gebeten habe seine Nachricht als Nachruf auf Kopenhagen auf Klimaxikon posten zu dürfen. Sein Hauptpunkt ist der selbe, den ich schon einige Male genannt habe. Es geht jetzt darum selbst aktiv zu werden und ein möglichst großes Netzwerk mit ebenfalls aktiven Menschen zu bilden und zu leben. Wir dürfen nicht länger warten bis die UN oder sonst jemand in Kopenhagen oder sonstwo unsere Zukunft gegen die Wand fährt. Wir müssen uns zusammenschliessen und etwas neues beginnen.
Hier nun also der Bericht von Matthias (Vielen Dank!):

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Familie!

Wow - was für ein Jahresabschluss. 8 Tage Klimagipfel in Kopenhagen bergen Stoff für stundenlange Erzählungen. Mit einem riesigen Rucksack an Erlebnissen bin ich seit gestern Nacht wieder in Münster und würde gerne einiges von dem, was ich hautnah miterleben konnte teilen.
Wenn du dir etwas Zeit nimmst und mir folgen möchtest, freue ich mich sehr.

Als erstes ein paar Sachen zum Ergebnis des Gipfels:

Eine schlechte Aufbereitung und Moderation von seiten Dänemarks und immer stärker sichtbare krasse Zerwürfnisse in der internationalen Gemeinschaft haben dazu geführt, dass es keinerlei neue rechtliche Grundlage für die Reduktion von CO2-Emissionen gibt.
Obwohl am Freitag über 120 Regierungschefs vor Ort waren (1997 in Kyoto war es ein einziger!) und Obama großspurig ein zu verhandelndes Endergebnis auf den Tisch legte, fehlte am Schluss der wohlwollende Konsens. Nach Marathonsitzungen und massivem Druck seitens der Industriestaaten, den ärmsten Ländern bei Verweigerung der Gefolgschaft die Entwicklungszahlen zu streichen, platze Tuvalu der Kragen und endlich wurde gesagt, was schon lange nötig war: die vom Westen vorgeschlagenen und von China, Indien, Brasilien und Südafrika opportunistisch unterstützten Ziele helfen kleinen, strukturschwachen oder von klimatischen Veränderungen besonders stark betroffenen Gebieten nicht für 5 Cent. Alle Emissionsreduktionen zusammengenommen würde sich bis 2020 allerhöchsten 20% Reduktion erreichen lassen - wissenschaftlich dringend gefordert sind 40%. Inselstaaten wären damit einfach weg, Wüstengebiete nähmen rasant zu und dergleichen. Tuvalu, mit 12.000 Einwohnern insgesamt, tritt also der gesamten Industriewelt mächtig gegen das Schienbein und sagt: so nicht.
Trotz nächtlicher Sitzungsverlängerung und händeringendem Handeln und Erpressungen bleiben einige kleine Staaten endlich hart und machen klar: entweder ordentlich, oder gar nicht. So bleibt es und den "Copenhagen Accord" wird es auch weiterhin nur als Fußnote, die von der Weltgemeinschaft "zur Notiz genommen" wurde geben.

Nachzulesen recht schön hier:
Eskalation beim Gipfel

Soviel also zur offiziellen Seite.

Was passierte außenrum, was habe ich in der guten Woche in Kopenhagen gemacht?

Ich habe an 5 Demonstrationen teilgenommen, wovon diejenige am 12.12. eine der größten Umweltdemos der Geschichte mit 100.000 bunten AktivistInnen war.
700 Festnahmen: Aufregung bei Klima-Demonstration

Wenn ich nicht auf Demos war, dann entweder im Klimaforum, dem größten Alternativgipfel in der Stadt, oder im Climate-Bottom-Meeting in Christiania, einem ehemals besetzten Stadtteil und nunmehr seit über 25 Jahren sozialen Experiment. An beiden Orten wurde mir in zahlreichen großartigen Vorträgen, Workshops und persönlichen Gesprächen klar, dass sich hier eine wunderbare Bewegung formiert. Leute aus allen Ecken der Welt arbeiten kritisch, intelligent und kreativ an Möglichkeiten, soziale, ökologische, spirituelle und ökonomische Wege in einen nachhaltige Welt zu finden. Ich habe noch nie soviel positives Engagement, Wissen, Überzeugung und Inspiration an einem Ort gesehen wie hier. Für mich waren diese Orte die Punkte, an denen in den zwei Wochen tatsächlich über die Probleme und deren mögliche Lösungen diskutiert wurde. Im Bella-Center, dem Ort der offiziellen Verhandlungen, drehte sich alles eiskalt um Macht, Geld und Einfluss - abartig, angesichts dessen, was auf dem Spiel steht.
Wer einen Blick in die Progammhefte der beiden Veranstaltungen schauen möchte kann das hier tun:
Climate Bottom Meeting
Klimaforum09

Für die mit viel Zeit empfehle ich die Lektüre der "Declaration of the people", die im Klimaforum ausgearbeitet wurde und die echten und gerechten Umweltschutz anpacken würde:
Declaration of the people

Mittwoch gab es dann wieder Action: die Aktion "Reclaim Power", wunderbar zusammegefasst hier:
Reclaim Power Demonstration

Wer noch die Gruppe der Leute sehen will, die um die Polizei drumrum versucht hat, an und über den Zaun zu kommen, guckt sich das an:
Spiegel Online Video

Und damit sind wir beim traurigsten und heftigsten der Erlebnisse: meinem Tag im Gefängniskäfig der dänischen Polizei.
Wer beim letzten Video genau hingeschaut hat, konnte mich rennen sehen, (Pace-Flagge auf dem Rücken, rote Jacke): ich hatte wirklich keine Lust mehr, scheinheiligen Politikerreden, machtgeilen oder raffgierigen Programmen ruhig dabei zuzusehen, wie sie eine mögliche Zukunft der Erde in den Sand setzen. In der Schule werden uns die Helden des zivielen Ungehorsams ehrfürchtig beigebracht: Martin Luther King, Mahatma Gandhi, Rosa Parks, Hans und Sophie Scholl etc. Menschen, die für ihre Ziele eingestanden sind und mehr getan haben, als zu reden.
Was wir nicht beigebracht bekommen, ist die tatsächliche Aktion. Den Mut, den Arsch hochzukriegen, wenn es an die Substanz unsere Rechte oder einer Zukunft geht. Der Punkt hat mir bislang auch gefehlt, irgendwie hatte ich nie soviel Mut, solche Aktionen wirklich zu unterstützen.

Auch wenn die Aktion in diesem Fall lange nicht so pathetisch war, wie im Rassen- oder Freiheitskampf, geht es hier doch geht gerade um unsere vedammte Zukunft.

Also bin ich gerannt. Um mich mit Menschen aus dem Bella-Centre zu treffen und gemeinsam eine große People's Assembly mit kritischen und kreativen Beiträgen aus Bevölkerungsgruppen, die vom ach-so-offenen demokratischen Prozess ausgeschlossen werden, abzuhalten. All das wurde vorher angekündigt, eine absolut friedliche, kreative Aktion des Widerstands.

Weit sind wir nicht gerannt.

Dann kamen Polizeiketten, Hunde, Pfefferspray und Schlagstöcke. Durch zwei Polizeiketten bin ich hindurch, in der dritten, auf einem Mittelstreifen haben mich zwei Polizisten niedergerissen, auf den Boden gedrückt und mir die Hände mit Kabelbindern auf den Rücken gefesselt. Ich hatte noch Glück, andere lagen mit blutenden Kopfwunden auf dem Gras. Beim Abführen frage ich "if I might have my gloves, from the ground"?. Die Antwort des Polizisten: "YOU don't deserve that!!" Das hat mich getroffen. Genauso die halbe Stunde, die ich in einer Kette mit anderen Festgenommenen auf der Straße saß. Genauso die weiteren 3 Stunden, die ich in einer Garagenhalle gefesselt auf dem Boden saß und seitdem mein linker Daumen leicht taub ist und meine Handgelenke immer noch schmerzen.
Dann wurde ich fotografiert und mir gesagt, dass ich keinerlei Anklage bekomme, keinen Eintrag in das polizeiliche Führungszeugnis und mir nichts zu Last gelegt wird - ich aber trotzdem bis zu 12 Stunden eingesperrt werde - präventiv.
Ohne Schuhe, Gürtel, Jacke und Rucksack geht es in einen Gitterkäfig in einer großen Halle. Dort stehen 40 solcher Käfige in mehreren Reihen. Jeder Käfig hat geschätzte 10m² und wird mit 10 Menschen gefüllt.
Die Stimmung in der Halle ist explosiv. Menschen sitzen in Käfigen wie Tiere, sie schreien, trommeln und randalieren. Polizisten rennen hilflos oder aggressiv von links nach rechts, schreien ebenfalls, lachen oder versuchen, sich in dieser unwürdigen Situation trotzdem anständig zu benehmen. Zu trinken gibt es kaum etwas, das wenige muss ich mit einem Strohhalm durch die Gitterstäbe aus einem dargebotenen Becher saugen. Nach 7 Stunden gibt es etwas zu essen. Für Veganer einen Apfel und eine Birne.
Menschen fangen an zu randalieren, reißen Trennwände nieder, die Polizei lässt die kalte Winterluft die Halle abkühlen, als das nichts hilft kommt Pfefferspray im geschlossenen Raum zum Einsatz. Riot-Cops rennen in einen Käfig und knüppeln dort die zusammengekauerten Randalierer nieder.

In dieser Atmosphäre der Gewalt und Aggression versuche ich, einfach ruhig zu sitzen, mich abzuschotten. Ich bin nicht aufgeregt, ich spüre weder Aggression noch Hass, trotzdem trifft mich das alles zutiefst. Erinnerungen an das Stanford-Experiment (http://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Experiment) steigen in mir auf. Menschen werden zu Tieren, gefangen in ihren sozialen Rollen oder im Kampf um jeden Zentimeter von Freiheit oder Würde.
Und alles ist doch nur ein Teufelskreis: mehr desselben. Mehr Gewalt, mehr Abscheu, mehr Aggression, mehr Herabwürdigung.
Ich versuche, all die Bedürfnisse der Individuen zu sehen. Das Bedürfnis nach Ruhe, nach Freiheit, nach Selbstbestimmung, nach Mitspracherecht, nach Anerkennung, nach Pflicherfüllung, nach Ordnung. All diese Bedürfnisse sind vorhanden und werden in dieser Situation nicht im mindesten erfüllt. Das führt zur Aggression, das führt dazu, dem Gegenüber die Menschlichkeit abzusprechen.

Wow... wie lässt sich das überwinden?

Ich spreche mit einigen Insassen über gewaltfreie Kommunikation, ich komme mit ein paar Polizisten ins Gespräch und sehe Menschen hinter den Uniformen. Aber das System außenrum ändert sich nicht, es ist immer noch ein undemokratisches, repressives Gefängnis.

10 Stunden nach meiner Festnahme bin ich wieder frei. Ich werde alleine hinter der Gefängnishalle auf die Straße gestellt. Es hat zu schneien begonnen, eine dünne weiße Decke der Unschuld überzuckert Kopenhagen und dämpft meine Schritte. Ich werde hinter dem Tor von einer kleinen Gruppe von solidarischen Umweltkämpfern begrüßt. "Hey, willkommen! Wir haben Kaffee und Zigaretten!" - Danke, nichts von beidem. Ich gehe alleine zur S-Bahn und fahre zu unserer furchbar netten Gastgeberin, Ingrid, und stelle mich lange unter die heiße Dusche.

Die Erlebnisse wirken immer noch nach.
In was für einer Welt leben wir, auch hier im ach-so-freien Europa?

Die Tage danach waren trotzdem gut, ich habe die Aktion nicht bereut und  weiterhin wunderbare Menschen getroffen, mir Vorträge angehört, bin am letzten Abend in der kleine Gemeinschaftssauna in Christiania gewesen und habe dort mit vielen Menschen für eine Atmosphäre des Verständigung und der Liebe getanzt.

Gestern, am Samstag habe ich zum Abschluss noch die Leute vom Climate Justice Fast getroffen, die Aktion an der ich als Unterstützer im November teilgenommen habe. Gemeinsam habe ich mit zweien, die seit 43 Tagen nichts mehr gegessen hatten, ihren ersten Gemüsesaft getrunken.
Dann bin ich zum Zug gegangen und mit Raphael gemeinsam nach Deutschland zurückgefahren.

Wie geht es weiter?

Nun, in mir ist die Überzeugung gewachsen, dass ich bei mir selbst anfangen muss. Beim Thema Klimawandel kommen alle großen Fragen zusammen: Ökologie, Gerechtigkeit, sozialer Ausgleich, Kommunikation, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, alternative Wirtschaftsysteme... All das muss gelebt und ausprobiert werden!
Zusammen mit anderen Menschen, in Netzwerken. Diese müssen größer werden und zwar so groß, dass der Druck auf Politik und Wirtschaft spürbar wird. Den Anfang habe ich in Kopenhagen erlebt, 100.000 Menschen für die Umwelt auf die Straße gehen zu sehen war großartig.

Eins ist klar: ich freue mich nun riesig auf friedliche Weihnachten mit meiner Familie (und vor allem meiner Patennichte!!).

Damit beschließe ich den Bericht, danke herzlich für eure Zeit und Geduld, wünsche euch ebenfalls frohe, entspannte Festtage und freue mich, euch mal wieder zu sehen oder mit euch zu reden!

Alles Liebe,
Euer Matthias

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Reclaim Power

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Liebe Freunde,

die Klimaverhandlungen treten auf der Stelle oder laufen sogar rückwärts. Die USA und China sind nicht bereit über ihre bisherigen Zusagen hinaus zu gehen. Daher beginnen auch andere Parteien, wie beispielsweise die EU, zurückzurudern und ihre Minderungsziele aufzuweichen. In einem Entwurf für das Abkommen, der am Dienstag bekannt wurde werden keine Minderungsziele genannt. Außerdem gibt es nach wie vor keine Einigung über Ausgleichszahlungen an Entwicklungsländer. Die Industrienationen nutzen ihre Zeit vielmehr dazu Schlupflöcher in ein mögliches Abkommen einzubauen, die es ihnen erleichtern würden ihre Minderungsziele (die, wie beschrieben, viel zu niedrig sind) einzuhalten.

Daher und auf Grund dessen, dass die Staaten, die bereits vom Klimawandel betroffen sind (wie die kleinen Inselstaaten und die sogenannten Least Developed Countries) keine Stimme in den Verhandlungen bekommen, fand heute eine Demo mit dem Titel „Reclaim Power“ statt. Es ging darum auf den unfairen Prozess der Verhandlungen hinzuweisen. Außerdem geht es darum, dass in den Verhandlungen ausschließlich über „market-based solutions“, also marktbasierte Lösungen, gesprochen wird. Diese sind jedoch, wenn überhaupt, ein Teil der Lösung die wir brauchen. Es geht um klare Regulationen in vielen verschiedenen Bereichen (Energieeffizienz, Energieproduktion, Mobilität, Städteplanung....). Eine Abgeordnete der australischen Grünen sprach von einem „Whole System Approach“ (Gesamtsystem Ansatz), der nötig wäre um das Klimaproblem und den Wandel der sozialen und ökologischen Systeme zu lösen.

Die Demonstration verlief zunächst gut. Es wurden Ketten gebildet die den Demonstrationszug vor Eingriffen durch die Polizei schützen sollte. Die Stimmung war angespannt aber nicht aggressiv. Als der Zug jedoch den Eingang zum Bella Center erreichte und mit Polizeibarrikaden konfrontiert war kam schnell Bewegung in die Menge. Durch Schieben wurde versucht die Barrikaden zu durchbrechen. Das wurde jedoch durch Schläge mit Knüppeln und Pfefferspray von der Polizei unterbunden. Viele Demonstranten mussten behandelt werden, da ihre Augen mit Pfefferspray verklebt waren. Als klar wurde, dass an dieser Stelle kein Durchkommen zum Verhandlungszentrum war löste sich eine Gruppe aus der Menge. Diese versuchte mit einer aufblasbaren Brücke über den Wassergraben zu gelangen der die Demonstranten vom Bella Center trennte (laut neusten Zahlen haben es 5 Demonstranten auf die andere Seite geschafft, wurden jedoch sofort in Polizeigewahrsam genommen). Allerdings rückten in dem Moment von der anderen Seite Polizeikräfte auf und schlossen so den Kreis um die Demonstranten. Viele versuchten nun in die andere Richtung über Felder zur nächsten Bahnstation zu gelangen um nicht von der Polizei festgesetzt zu werden. Offensichtlich war die Strategie der Polizei den Ring um die Demonstration immer enger zu schnüren damit möglichst viele Demonstranten aufgeben und flüchten. Unsere Befürchtung ist, dass die verbliebenen Demonstranten festgenommen wurden. Bereits am Morgen wurden knapp 200 Menschen festgenommen die versuchten von der anderen Seite zum Bella Center zu gelangen. Außerdem gab es eine Solidaritätsbewegung von Menschen denen der Zutritt zum Bella Center gewährt worden war. So kamen die Verhandlungen kurzzeitig zum Erliegen da im Gebäude Sprechchöre für „Klimagerechtigkeit“ zu hören waren.
Insgesamt war die Demonstration ein deutliches Zeichen für ein faires Abkommen, das sich nicht nur um Marktmechanismen sondern um unsere Zukunft dreht. Leider wurde an der Polizeigewalt erneut deutlich, dass friedliches, ziviles Engagement nicht erwünscht ist. Bereits gestern wurde einer der Sprecher von Climate Justice Action, Tadzio Müller, (Mitorganisatoren der Demo) festgenommen, unter dem Vorwand des „Aufrufs zur Störung der öffentlichen Ordnung“.
Nun stellt sich für mich allerdings die Frage ob die „öffentliche Ordnung“ nicht viel mehr von den Industrienationen gestört wird, die ein faires, ambitioniertes und bindendes Abkommen unmöglich machen; einem Abkommen, das wirklich die Probleme der Anpassung an den Klimawandel, der Begrenzung der Emissionen und den Wandel zu einem neuen Energiezeitalter anpacken würde.
Nur so wäre die sogenannte „öffentliche Ordnung“ langfristig gesichert.

Hier einige Bilder von der Demonstration:
Clowns Army:
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System Change Not Climate Change:
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Polizisten in Kampfmontur:
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Hier noch ein Video mit Zivilpolizisten, die sich in den Demonstrationszug mischen um die Stimmung innerhalb der Demonstration zu manipulieren:

Dienstag, 15. Dezember 2009

Sie sollten das System jetzt ausschalten

Liebe Freunde,

wie vorgestern beschrieben, ist seit gestern der Zugang zum Bella Center quotiert. Daher haben Felix und ich gestern noch versucht unsere Chance wahrzunehmen und einen Blick auf das Innenleben des Riesenkomplexes zu werfen. Allerdings hat sich das als unmöglich erwiesen. Gestern waren insgesamt 45.000 Menschen im Bella Center. Ab dem frühen Morgen haben sich lange Schlangen am Eingang des Centers gebildet. Die Menschen haben teilweise bis zu 8 Stunden gewartet um Zugang zum Bella Center zu bekommen. Alle diese Leute sind jedoch offiziell zugelassen gewesen den Verhandlungskomplex zu betreten. Sie hatten allerdings noch kein sogenanntes „Badge“, welches zum Zugang berechtigt. Im Folgenden findet ihr einige Bilder der Schlange am Bahnsteig vor dem Bella Center.

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Seit heute dürfen nun tatsächlich 70% der eigentlich zugelassenen NGO Beobachter nicht mehr in das Verhandlungsgebäude. Daher haben sich verhältnismäßig viele am Landwirtschaftsaktionstag beteiligt. In einer Demonstration für andere, klimafreundlichere und fairere Anbaumethoden wurde auf das schädliche System der Essensverteilung und –produktion hingewiesen. Den Höhepunkt stellte ein Stop vor Netto dar. Hier wurden Transparente vor die Schaufenster des Discounters gehalten und kostenlos biologische Suppe verteilt. Auch hierzu noch mal einige Bilder:

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Leider lässt die Polizei, trotz der fast kompletten Sperre der Verhandlungen für externe Beobachter, nicht von ihrem repressiven Verhalten ab. Gestern wurde Christiania, der alternative „Staat“ innerhalb Kopenhagens von der Polizei gestürmt. Tränengas wurde auch in Gebäude verteilt. Es kam erneut zu Festnahmen. Dänemark und die Welt scheinen sich gegen öffentliche Beteiligung an den Entscheidungen für unsere Zukunft zu sperren. Sogenanntes „Public Engagement“ ist nicht erwünscht.

Gestern haben die sogenannten G77 (ein loser Bund von 77 Entwicklungs- und Schwellenländern) die Verhandlungen boykottiert. Sie sind, wie die Zivilgesellschaft, nicht einverstanden mit den Angeboten der Industrienationen. Die Verhandlungen laufen inzwischen weiter, weil das Boykott aufgehoben wurde. Es wird immer deutlicher, dass es den Industrieländern in den Verhandlungen darum geht möglichst niedrige Ziele zu verabschieden, die zusätzlich noch möglichst einfach erreicht werden können.
Mir persönlich wird langsam aber sicher klar, dass wir unter keinen Umständen darauf warten dürfen, dass ein neues Wirtschaftsabkommen für Globalisierung entsteht. Wir müssen selbst aktiv werden und mit unserem Leben und unserem Handeln die Struktur des Systems in dem wir leben verändern. Darauf zu warten, dass die Menschen, die von den vorhandenen Strukturen profitieren und sie teils selbst entworfen haben, ein Konzept entwerfen mit dem wir ernsthaft unsere Probleme anpacken können, scheint naiv.

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Montag, 14. Dezember 2009

Protest: Berechtigt und Wichtig!

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Liebe Freunde,

gestern habe ich etwas flapsig geschildert es hätte “Probleme“ zwischen dem Schwarzen Block und der Polizei gegeben. Dazu muss ich allerdings noch ein paar Anmerkungen machen.
Die Polizei hat nachdem auf der Demonstration einige Steine geflogen sind, den gesamten Bereich um den Schwarzen Block eingekesselt. Gestern wurden 968 Menschen verhaftet. Die Verhafteten mussten mehrere Stunden mit auf den Rücken gebundenen Händen in der Kälte sitzen. Auch heute gab es wieder viele Festnahmen.
Viele friedliche Demonstranten leiden unter dem repressiven Verhalten der Polizei. Eine Demonstrantin sagt:
“Natürlich sind wir wütend – überall auf der Welt empören sich Menschen darüber, dass sie von Regierungen belogen werden. Denn diese machen aus den Klimaverhandlungen ein Wirtschaftsabkommen. Wenn wir dagegen unseren Protest auf die Straße tragen, werden wir willkürlich festgehalten.”

Dazu kommt nun, dass aus „Sicherheitsgründen“ ab Dienstag der Zugang für Besucher zum Bella Center quotiert wird. Das Fassungsvermögen des Gebäudes ist jetzt bereits fast erreicht. Dazu kommt allerdings, dass auf diesem Weg viele Aktivisten, die für Mittwoch einen Boykott der Konferenz geplant haben, draußen gehalten werden.

Der Protest ist allerdings berechtigt und wichtig. Heute haben Wissenschaftler bekannt gegeben, dass die Verhandlungen schlecht laufen. Ein Abkommen in der geplanten Form würde zu ungefähr 8-12% Treibhausgasminderung führen. Um 2C Erwärmung zu erreichen müssten Minderungen von 25-40% erreicht werden. Der IPCC Wissenschaftler Thomas Stocker: „I think it is clearly not enough“.
Aus den Klimaverhandlungen wird ein Wirtschaftsabkommen gemacht , mit dem die Ziele, die wir erreichen müssen, nicht erreicht werden können.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Climate Action Day

Liebe Freunde,

gestern war der Global Climate Action Day. Viele waren vielleicht irgendwo bei einer Mahnwache oder einer anderen Aktion. In Kopenhagen stand heute die große Demo auf der Tagesordnung. Bis zu 100.000 Menschen sind heute für „Climate Justice“ und für ein Ende des „Bla Bla Bla“ auf die Straße gegangen. Der Grundton war: „Climate Action Now“!

Es war ein wirklich eindrucksvoller Tag und eine gute Einstimmung für eine intensive Woche hier. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Als der Demonstrationszug sein Ziel, das Bella Center (Veranstaltungort COP15) erreicht hatte wurde die Überforderung der Stadt mit den Menschenmassen deutlich. Plötzlich mussten 100.000 Leute in Metrozügen zurück in die Innenstadt. Der Andrang sprengte bei weitem die Kapazitäten der Bahnhöfe und Züge. Ein Weg von 10 Stationen bis zu unserer Unterkunft hat alles in allem 3 Stunden eingenommen. Das ist verglichen mit der Dauer der Demo nicht zu verachten.
Unser Weg führte uns in eine kaum vorstellbare Menschenmasse, die versuchte den Bahnsteig des Bahnhofs zu erreichen. Der Zugang wurde jedoch aus Sicherheitsgründen von einem Ordner kontrolliert. Auf dem Bahnsteig angekommen ging es dann mit der Bahn in die falsche Richtung bis zur Endstation. Das war nötig um überhaupt einen Platz in der Bahn in die Richtige Richtung zu bekommen.
Um aber noch mal auf die Demo zurückzukommen: sie war getragen von positiver, guter Atmosphäre! Leider gab es etwa bei der Hälfte Probleme zwischen dem Schwarzen Block und der Polizei. Der Schwarze Block wurde gespalten und mit ihm die ganze Demo. Die zweite Hälfte musste die Absperrung der Polizei umlaufen. Da der Anfang des Demonstrationszuges nicht lange genug auf die zweite Hälfte gewartet hat entstand ein großes Loch. Dieses konnte leider bis zum Ende kaum gestopft werden. Dazu kam, dass der zweite Teil der Demo durch Industriegebiete führte und es dunkel wurde. Diese Umstände schmälerten die eigentlich ausgelassene Stimmung etwas.

Was sonst noch passierte: Eine Freundin unseres Gastgebers hier in Kopenhagen arbeitet für das Time Magazine. Sie hat einige Interviews mit uns gefilmt und ein paar Takes von uns auf der Demonstration genommen. Wenn wir näheres erfahren gibt es also vielleicht bald filmisches Material von der Demo.

Zu guter Letzt noch ein paar Eindrücke:

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Freitag, 4. Dezember 2009

Unsere Kleine Welt

Liebe Freunde,

wir wollen natürlich nicht, dass anstatt Lesen immer nur Glotzen angesagt ist wenn ihr unser blog anklickt. Aber jetzt dürft ihr euch trotzdem nochmal entspannt zurücklehnen und euch berieseln lassen. Von Zeit zu Zeit ist es nunmal an der Zeit, mit der Zeit zu gehen und auf modernste Technik, in Form von bewegten Bildern, zurückzugreifen.

Zunächst ein Film der im Rahmen eines Projektes, der Fakultät für Gestaltung, der Hochschule Augsburg, entstanden ist:



Außerdem empfehle ich im Folgenden einen Film mit dem Namen "Story of Stuff". Er erklärt den Weg der Güter, die wir täglich konsumieren und stellt dar warum diese "Geschichte der Güter" ein Problem für uns und diesen Planeten darstellt. Behaltet beim Genuß dieser bewegten Bilder bitte im Kopf, dass es sich hierbei um einen Film von Amerikanern für Amerikanern handelt. Die deutsche Version des Films ist in drei Teile geteilt:

Teil 1:


Teil 2:


Teil 3:


Die beiden Filme zeigen, wie ich finde, sehr gut wie wir, oft ohne uns bewusst darüber zu sein, in unserer kleinen Welt agieren. Für uns sind viele Dinge normal, die eigentlich nicht normal sein sollten. Der globale Produktkreislauf (oder vielmehr Produktsackgasse) ist nicht nachhaltig und schon gar nicht gerecht oder fair. Hoffentlich helfen die Filme dabei den Einen oder Anderen zu etwas bewussterem Konsum zu bewegen.

Cooling Down

Liebe Freunde,

unsere Zeit ist momentan leider sehr knapp bemessen. Am Wochenende ist endlich wieder Zeit für einen ausführlicheren Post, in dem ich auf die Ziele für Kopenhagen und eine interessante Bemerkung eines renomierten Klimaforschers eingehen will, der heute geäußert hat, dass Kopenhagen scheitern muss wenn wir echte Ambitionen haben uns und das Klima zu retten. Klingt komisch ist aber so!

Zunächst würde ich euch gerne mit einigen anderen spannenden Dingen, die aber glücklicherweise nicht ganz so zeitaufwendig sind vertrösten:
Habt ihr schon Pläne für die gemütlichen (zumindest sollten sie das sein) Wintertage im Kreise der Familie? Hier eine kleine Empfehlung:

"Cooling Down" ist ein Brettspiel in dessen Verlauf die Klimaverhandlungen simuliert werden. Es werden nicht nur die Grundlagen des Klimawandels vermittelt, sondern es werden auch alle in Kopenhagen diskutierten Mechanismen zur Anpassung und Abschwächung des Klimawandels berücksichtigt.
Dies bietet die Möglichkeit gemeinsam die treibenden Kräfte hinter dem Klimawandel zu verstehen und Lösungsansätze zu erkennen.

Bei Interesse schaut euch doch einfach mal die Seite an:
Cooling Down
Cooling Down bestellen
Dr. Otto Ulrich der Autor des Spiels ist übrigens Mitbegründer von Eurosolar.

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Dienstag, 1. Dezember 2009

Besser Statt Mehr

Liebe Freunde,

gestern war ich bei dem ersten Symposium des "Denkwerk Zukunft" mit dem Namen "Besser Statt Mehr". Es waren unter anderem Harald Welzer und Tim Jackson als Redner anwesend, die bereits in dem Post Das Ende der Welt, wie wir sie kannten Erwähnung gefunden haben. Das Symposium im Umweltforum Berlin setzte sich wie die Veranstaltungen des anderen Beitrags mit einem Leben ohne (materielles) Wachstum auseinander. Erneut wurde an uns Bürger appelliert unabhängig von politischen Entscheidungen (Kopenhagen) selbst aktiv zu werden und unsere eigene politische Verantwortung aber auch und vor allem die Verantwortung für unser eigenes Leben, in die Hand zu nehmen.
Ein guter Anfang wäre zum Beispiel dem folgenden Link zu folgen und seine eigene persönliche CO2-Bilanz zu errechen:

Endlich Handeln

Ich war erstaunt wie viel es für meine CO2-Bilanz ausmacht, dass ich wenig regional und saisonal kaufe!

Meinhard Miegel, ehemaliger Mitarbeiter des Generalsekretärs der CDU (Kurt Biedenkopf) und heutiger Vorstand des Denkwerks Zukunft hat in seiner Abschlussrede des Symposiums sehr eindrückliche Worte gefunden, die ich hier gerne zitieren möchte:

„Die Vorstellung, dass das Wachstum der Wirtschaft und die Mehrung materiellen Wohlstands zumindest in den reichen Ländern zum Stillstand kommen oder sogar in ihr Gegenteil umschlagen könnten, ist vielen Menschen so zuwider, dass sie sich ihr verweigern. An so etwas, so heißt es, wollen wir gar nicht denken. Das wäre das Ende unserer Kultur. Die Menschen verlören die Grundlage ihrer Lebenszufriedenheit, die gesellschaftlichen Strukturen, vor allem der Sozialstaat, gerieten in Gefahr, viele könnten sich – enttäuscht – von der freiheitlich-demokratischen Ordnung abwenden, kurz: das gesamte wirtschaftliche, gesellschaftliche und staatliche Gefüge drohe zu kollabieren. Ein solches Risiko dürfe unter keinen Umständen eingegangen werden. Das Wohl und Wege dieser Gesellschaft hinge nun einmal an Wirtschaftswachtum und materieller Wohlstandsmehrung und folglich müssten diese unbedingt aufrecht erhalten werden.

Diese Argumentation ist einsichtig, hat aber eine entscheidende Schwäche: Sie hat einen Paradigmenwechsel nicht mit vollzogen. Anders gewendet: Sie verkennt, dass das vormalige Subjekt zum Objekt und das Objekt zum Subjekt geworden ist. Konkret: Hieß es vor 50, 40 und auch noch vor 30 Jahren, die westliche Wirtschafts- und Lebensweise stelle eine Bedrohung für die Umwelt und Natur sowie für den Mensch und Gesellschaft dar, so heißt es heute umgekehrt, dass eine überforderte und deshalb rebellisch gewordene Umwelt und Natur die tradierte Wirtschafts- und Lebensweise nicht länger zulasse. Die Frage, ob wir weiter leben wollen wie bisher, stellt sich also gar nicht. Zu fragen ist vielmehr, wie wir unter veränderten Bedingungen leben können.“

Freitag, 27. November 2009

Act Now!

Liebe Freunde,

gerade habe ich einen Film wiederentdeckt, den ich euch nicht vorenthalten will.
Er ist von Friends of the Earth und ist eine weitere, wie ich finde sehr eindrucksvolle, Aufforderung zum Handeln.



Außerdem noch ein weiterer, kurzer Film in dem Helle, eine der Mitorganisatorinnen des Klimaforum09 in Kopenhagen, differenziert zwischen dem offiziellen Gipfel und der Bürgerbewegung, die parallel stattfinden wird. Der Film wird besonders für diejenigen von euch interessant sein, die in Kopenhagen dabei sein werden oder für die, die sich jetzt dazu entschließen. (Vielleicht sieht man sich dort!!)