Mittwoch, 20. Januar 2010

Greenwashing

Liebe Freunde,

der Greenwashing-Kampagne von Entega wurde noch einmal eins oben drauf gesetzt. Um das grüne Image auszubauen und Familien von sich zu überzeugen, wurde nicht nur die Schneemann-Demo (übrigens ist die Idee dafür von den Klimaschützern von „Kohle nur noch zum Grillen“ abgekupfert, die letzten Winter die gleiche Aktion gemacht haben: Schneemann-Proteste greifen um sich...) organisiert, es ist zusätzlich ein Kinderbuch gedruckt und online veröffentlicht worden: „Die Geschichte vom weinenden Schneemann“. André, der mich auf den Ökobetrug von Entega aufmerksam gemacht hat, formuliert diese Strategie so: „Sie wollen die Kinder“. Um Familien zu einem Stromwechsel zu den netten, grünen Ökofreunden von Entega zu bewegen, wird eine Verbindung mit den kleinsten aufgebaut: clever!
Wenn ihr auf das Bild klickt, könnt ihr euch das Buch zu Gemüte führen. Dabei ist zu beachten, dass unter jedem Bild (außer das Titelbild) von schlauen Menschen, von Utopia-Watchblog, die Kommentarfunktion für kritische Bemerkungen genutzt wurde.
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Die Idee des Greenwashings ist eine Strategie, um von eigenen Fehlern abzulenken oder diese sogar zu legitimieren bzw. für sich zu instrumentalisieren. Grundsätzlich ist dieses Konzept wirtschaftlich gesehen überhaupt nicht verwerflich. Eine Firma versucht sich rein zu waschen und mehr Geld zu verdienen. So funktioniert das System. Wer darauf reinfällt (so wie ich kürzlich) ist selbst Schuld. So oder so ähnlich muss der Argumentationsstrang eines Marketingbeauftragten (oder wer auch immer so etwas in einer Firma entscheiden darf) aufgebaut sein. Allerdings versetzt mich allein die Möglichkeit, dass Menschen bewusst Falschinformationen (bzw. Informationen in denen wesentliche Aspekte verschwiegen werden) als Werbung verbreiten, um an nichtsahnenden anderen Menschen zu verdienen, in Verzweiflung. Diese Empfindung wird noch gesteigert, wenn man sich vor Augen führt, dass beschriebene nichtsahnende Menschen, durch solche Taktiken, dazu getrieben werden, ihren Kindern und Enkelkindern zu schaden und den Weg in ein nachhaltiges, funktionierendes System zu verbauen. Meinem Verständnis von Gerechtigkeit nach zu urteilen, müsste ein solches Verhalten geahndet werden. Es gibt Menschen, die zum Beispiel wegen „Anstiftung zum Mord“ verurteilt werden oder wegen „unterlassener Hilfeleistung“. Aber was ist mit Menschen die andere Menschen ohne ihr Wissen dazu instrumentalisieren Dinge zu tun, die für ihre eigenen und andere Kinder bedeuten können: schlechter leben zu müssen als ihre Eltern, Angst um Nahrung, Wasser und andere Ressourcen zu haben, Kriege zu erleben... ist so etwas dann „Anstiftung zum Mord an Vielen“?

Letzten Sommer wurde in Berlin, mit großen Plakaten, Werbung für Atomkraft gemacht. Der sogenannte Informationskreis KernEnergie rühmte auf diesen Plakaten den „Klimaschützer der Woche“. Hierbei handelte es sich um Kernkraftwerke, die nach Aussage des Informationskreises, einen CO2-Ausstoß von „Null“ haben. Ich will an dieser Stelle nicht in die Details gehen, aber es ist falsch, dass die Stromproduktion mit Kernenergie keinen CO2-Ausstoß zur Folge hat. Die anderen Konsequenzen, die Kernenergie grundsätzlich mit sich bringt, werden auf den Plakaten selbstverständlich vollends verschwiegen. Ein findiger Mensch hat auf eines der Plakate ein Radioaktivzeichen gemalt, um zu verdeutlichen, wie gefährlich Kernenergie ist und auf das „Greenwashing“ der Atomlobby hinzuweisen.

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Unter folgendem link stellt die Verbraucherschutzzentrale ein Online-Formular bereit um Werbung mit Klimaschutzargumenten zu melden.
Werbung melden
Die Verbraucherschutzzentrale sammelt Werbung mit Klimaschutzargumenten, um gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten zu können. Wir können also, wie derjenige, der das Radioaktivzeichen gemalt hat, dazu beitragen, dass Konzequenzen gezogen werden, wenn Greenwashing um sich greift.

Hier außerdem ein Interview mit Katja Mrowka von der Verbraucherschutzzentrale:
Produktwerbung zwischen Wahrheit und Täuschung

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